So kriegt man sein Fett weg

Feedback über den Kaloriengehalt und Fettanteil des Essens kann beim Abnehmen helfen.

Die meisten Menschen können ganz gut beschreiben, wie eine gesunde Ernährung aussehen sollte: Unter anderem mit wenig Fett und weniger Kalorien als üblich. Aber die wenigsten Menschen können angeben, wie viel Fett und wie viel Kalorien ihre eigene Nahrung enthält (Brug et al., 1994). Aufklärungskampagnen mit Broschüren und anderem Informationsmaterial ändern daran wenig. Dagegen zeigen Maßnahmen, bei denen die Teilnehmer Feedback zum Fett- und Kaloriengehalt ihrer Nahrung erhalten, durchaus eine Wirkung. Üblicherweise führen die Teilnehmer solcher Maßnahmen eine Art Tagebuch, in das sie das, was sie den Tag über essen, eintragen. Sie erhalten dann eine Rückmeldung, wie viel Fett und wie viel Kalorien sie zu sich genommen haben. Das Problem mit solchen Tagebüchern ist, dass die Teilnehmer der Maßnahmen meist nicht alles, was sie den Tag über gegessen haben, berichten und dass sie zum Teil auch – willentlich oder unbeabsichtigt – falsche Angaben machen.

Normand und Osborne (2010) gingen daher einen anderen Weg. An ihrer Maßnahme nahmen vier Studenten teil. Die Studenten nahmen ihre Mahlzeiten in der Regel in einer von vier Mensen oder Cafeterien ein. Die Forscher platzierten jeweils eine Box neben den Kassen dieser Verpflegungseinrichtungen. Die vier Studenten sollten jeweils den Kassenzettel in diese Boxen werfen. Auf den Kassenzetteln waren die Speisen vermerkt, für die die Studenten gezahlt hatten, zudem die Uhrzeit und das Datum. Da die Studenten mit einer Chipkarte bezahlten, war auch die Nummer ihres Studentenausweises vermerkt. Durch diese konnten die Kassenbons den Studenten zugeordnet werden. Sicherlich entgingen den Forschern so einige Nahrungsmittel, die die Studenten außerhalb der Mensen gegessen hatten (z. B. bei Freunden, aus dem Supermarkt usw.). Dieser Verdacht bestätigte sich zumindest bei zwei der Teilnehmer, die bei den Mensabesuchen nur eine so geringe Kalorienmenge aufnahmen, dass diese nicht ausgereicht hätte, ihr hohes Gewicht zu halten. Die Angaben, die die Forscher erhielten, waren aber hochgradig zuverlässig. Normand und Osborne (2010) errechneten nun – unter Zuhilfenahme der Speisepläne der Mensen – die individuell aufgenommene Menge an Kalorien und Fett. Zunächst wurde die Basisrate ermittelt. Anschließend erhielten die Studenten jeden Tag eine E-Mail mit einem Link auf eine persönliche Webseite, auf der die Werte für Fett und Kalorien in einer Grafik dargestellt wurden. Zudem fanden sie eine auf sie zugeschnittene Nahrungspyramide, die mittels des Programms My Pyramid Plan erstellt worden war.

Diese Maßnahme führte zu einem deutlichen Rückgang der aufgenommenen Kalorien- und Fettmengen bei drei der vier Teilnehmer. Dieser Rückgang könnte natürlich auch darauf zurück zu führen sein, dass die Studenten nun häufiger außerhalb der Mensen aßen. Dagegen spricht, dass die Zahl der Mahlzeiten, die sie in den Mensen einnahmen während der Basisratenerhebung und während der Feedbackphase in etwa gleich blieb. Das heißt, sie gingen noch immer genauso oft in die Mensa, sie nahmen dort aber mehr kalorienarme und fettreduzierte Kost zu sich als vor Beginn des Feedbacks.

Normand und Osborne (2010) regen zwei Erweiterungen für künftige Maßnahmen an. Zum einen könnte man die Maßnahme auch mit positiver Verstärkung verknüpfen, indem man das Erreichen von Reduktionszielen mit bestimmten Anreizen (z. B. Kinogutscheinen usw.) verbindet. Diese Komponente hat sich in anderen Programmen zur Gewichtsreduktion und bei Kontingenzenmanagementprogrammen zu Reduzierung des Drogenkonsums als erfolgreich erwiesen (z. B. Silverman, 2004). Zum anderen sollte man kontrollieren, ob die Teilnehmer mit Beginn des Feedbacks nicht einfach auf andere Quellen (Lokale) ausweichen. Diese Fehlerquelle ließe sich dadurch kontrollieren, dass man zwar in allen Mensen erfasst, wie viel Nahrungsmittel die Teilnehmer konsumieren, dass man aber nur für eine Mensa Feedback gibt. Noch einfacher wäre zudem eine elektronische Datenerfassung, wie sie beim Bezahlen mittels Chipkarte prinzipiell möglich ist. Dazu müsste man allerdings auf die Daten des Kassensystems zugreifen können, eine Maßnahme, die nicht jede Mensa erlauben wird.

Literatur

Brug, J.; Van Assema, P.; Kok, G.; Lenderink, T. & Glanz, K. (1994). Self-rated dietary fat intake: Association with objective assessment of fat, psychosocial factors, and intention to change. Journal of Nutrition Education, 26, 218-223.

Normand, Matthew P. & Osborne, Matthew R. (2010). Promoting healthier food choices in college students using individualized dietary feedback. Behavioral Interventions, 25(3), 183-190. PDF 78 KB

Silverman, Kenneth. (2004). Exploring the limits and utility of operant conditioning in the treatment of drug addiction. The Behavior Analyst, 27(2), 209-230. PDF 3,20 MB

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