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Den Ekel schaut man sich bei den Eltern ab

Ekel ist eine ganz grundlegende Emotion. Dennoch müssen wir erst von unseren Eltern lernen, wovor wir uns ekeln sollen.

Der Ekel vor bestimmten Objekten ist anscheinend nicht angeboren, sondern muss in den ersten Lebensjahren gelernt werden. Es gibt keinen Hinweis auf angeborene Unterschiede in der Reaktion auf Ekelobjekte (Rozin & Fallon, 1987). Die ersten Ekelreaktionen treten im Alter von zwei Jahren auf. Zunächst (Rozin et al., 2000), im Alter von zwei bis drei Jahren, wird der Ekel vor Körperausscheidungen und verwesendem organischen Material erworben. Diese Ekelauslöser können Krankheitskeime übertragen. Später wird auch Ekel vor dem Tod, schlechter Hygiene, unangemessenem Sexualverhalten und Störungen des Körperbildes bei anderen Personen (Missbildungen, extremes Übergewicht) gezeigt. Im weiteren Entwicklungsverlauf kommt es auch zu Ekel im zwischenmenschlichen Bereich, z. B. Ekel vor dem direkten Kontakt mit Fremden. Zuletzt erwirbt man den moralischen Ekel, z. B. vor Kinderschändern und Mord. Die zuletzt erworbenen Ekelkategorien setzen ein zunehmend höheres Maß an Abstraktion voraus (und sind auch von Kultur zu Kultur unterschiedlich – z. B. ist der Ekel vor Männer, die sich innig küssen, in verschiedenen Kulturen verschieden stark verbreitet).

Ekel wird wohl auch durch das Beobachten der Reaktion der Eltern auf bestimmte Reize erworben. So konnte gezeigt werden, dass die Gehirnregionen, die beteiligt sind, wenn man sich selbst ekelt, fast identisch sind mit denen, die dann beteiligt sind, wenn man jemanden beobachtet, der sich ekelt (Wicker et al., 2003). Das Beobachten des Gesichtsausdrucks einer Person, die sich ekelt, führt beim Beobachter dazu, dass er sich selbst ekelt. Neben dem Gesichtsausdruck spielen auch verbale („Widerlich!“) und lautliche Äußerungen („Iiih!“) sowie Gesten eine Rolle.

Oaten et al. (2014) nutzten Videoaufzeichnungen einer früheren Studie (Stevenson et al., 2010), in denen Eltern und ihre Kinder auf verschiedene Ekel-Auslöser reagierten. An der Studie nahmen 96 Eltern-Kind-Paare teil. Die Kinder wurden drei Altersgruppen zugeordnet, die im Schnitt, 2,5 Jahre, 4,5 Jahre, 6,8 Jahre, 10,1 Jahre und 14,3 Jahre alt waren. Die Kinder sollten bei den Ekelauslösern angeben, wie sehr sie sich davor ekelten (die kleineren Kinder wurden befragt, die älteren füllten einen Fragebogen aus). Zunächst wurden die Kinder mit den Objekten allein konfrontiert. Die Kinder wurden gebeten, Kontakt zu den Objekten aufzunehmen. Dabei wurde registriert, wie viel Kontakt die Kinder zum Objekt hatten und welche verbalen und nonverbalen Ekelsignale sie zeigten. Bei den Objekten handelte es sich um:

  • Eiscreme mit Tomatensoße gemischt
  • Eine getragene Socke
  • Zwei Geruchsproben, eine mit dem Geruch von Kot und eine mit dem Geruch von fermentierter Shrimps-Paste (die nach Urin riecht)
  • Maden
  • Ein Glasauge

Daneben wurden auch mögliche „moralische“ Ekelauslöser präsentiert, z. B.

  • Eine Geschichte von jemandem, der einen behinderten Mann bestiehlt.
  • Ein Bild von einem jungen Mann, der eine alte Frau heiratet.
  • Das Bild eines mit Unrat verschmutzten Parks.
  • Ein Bild von einem Ku-Klux-Klan-Treffen.

In der nächsten Phase des Experiments sollten die Eltern (Mutter oder Vater) die Objekte kontaktieren und beurteilen. Dabei wurden sie von ihren Kindern beobachtet. Zuletzt wurden die Kinder wieder in Gegenwart ihrer Eltern mit den Objekten konfrontiert. Dabei wurde beobachtet, ob und wie die Eltern darauf reagierten und ob sie z. B. die Kinder aufforderten, sich die Hände zu waschen.

Oaten et al. (2014) fanden einen signifikanten Zusammenhang zwischen den Ekelreaktionen der Kinder und den (später beobachteten) Ekelreaktionen der Eltern. Bei den kleineren Kindern waren es vor allem die lautlichen und mimischen Ekeläußerungen, die hoch korrelierten. Dies bestätigt die Vermutung, dass es das Verhalten der Eltern ist, durch das die Kinder die Ekelreaktionen erlernen.

Je älter die Kinder waren, desto häufiger lachten die Eltern in ihrer Gegenwart, wenn sie mit den Ekelreizen konfrontiert wurden. Auch die Kinder lachten bei der Konfrontation mit dem Ekelreiz mit zunehmendem Alter häufiger. Das Lachen aufgrund von Ekelreizen soll darauf zurückzuführen sein, dass der Ekelreiz zwar eine negative Emotion auslöst, dies jedoch in einer sicheren Umgebung geschieht (Rozin, 1990; McCauley, 1998).

Insgesamt konnten durch die Ekeläußerungen der Eltern sowohl der geäußerte Ekel der Kinder als auch deren Angaben in der Befragung (wie sehr sie sich ekelten, d. h. den „gefühlte Ekel“) vorhergesagt werden. Dabei war der Zusammenhang beim gezeigten Ekel stärker als beim gefühlten Ekel. Das legt nahe, dass zuerst der gezeigte Ekel übernommen wird, erst danach entwickelt sich der gefühlte Ekel.

Je mehr Ekelreaktionen die Kinder zeigten, wenn sie alleine konfrontiert wurden, desto häufiger gaben ihre Eltern (in der letzten Phase des Experiments, wenn sie zugegen waren) Hygiene-Instruktionen („Wasch dir bitte danach die Hände). Dies spricht dafür, dass die Hygiene-Instruktionen der Eltern sich auf die Ausprägung des Ekels der Kinder auswirken. Eltern gaben bei den jüngsten Kindern die meisten Instruktionen, bei den etwas älteren fast keine und wieder mehr Instruktionen bei den Teenagern.

Literatur

McCauley, C. (1998). When screen violence is not attractive. In J. Goldstein (Ed.), Why we watch: The attractions of violent entertainment (pp. 144-162). New York: Oxford University Press.

Oaten, Megan; Stevenson, Richard J.; Wagland, Paul; Case, Trevor I. & Repacholi, Betty M. (2014). Parent-Child transmission of disgust and hand hygiene. The role of vocalizations, gestures and other parental responses. The Psychological Record, 64(4), 803-811. DOI 10.1007/s40732-014-0044-9

Rozin, Paul. (1990). Getting to like the burn of chili pepper: Biological, psychological and cultural perspectives. In B. G. Green, J. R. Mason, & M. R. Kare (Eds.), Chemical senses, Volume 2: Irritation (Vol. 2, pp. 231-269). New York: Marcel Dekker.

Rozin, Paul & Fallon, April E. (1987). A perspective on disgust. Psychological Review, 94(1), 23-41. http://dx.doi.org/10.1037/0033-295X.94.1.23

Rozin, Paul; Haidt, J. & McCauley, C. (2000). Disgust. In M. Lewis & J. M. Haviland-Jones (Eds.), Handbook of emotion (pp. 637-653). New York: Guilford Press.

Stevenson, Richard J.; Oaten, Megan; Case, Trevor I.; Repacholi, Betty M. & Wagland, Paul (2010). Children’s response to adult disgust elicitors: age-related changes and their correlates. Developmental Psychology, 46(1), 165-177. http://dx.doi.org/10.1037/a0016692

Wicker, Bruno; Keysers, Christian; Plailly, Jane; Royet, Jean-Pierre; Gallese, Vittorio & Rizzolatti, Giacomo. (2003). Both of us are disgusted in my insula: the common neural basis of seeing and feeling disgust. Neuron, 40(3), 655-664. http://dx.doi.org/10.1016/S0896-6273(03)00679-2

 

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Eingeordnet unter Entwicklung, Imitation, Psychologie, Verhaltensanalyse

Ist der Vater abwesend, wird die Tochter zum Flittchen…?

Es hat funktioniert, Sie lesen weiter! – Doch in der Tat: So könnte man – grob vereinfacht und politisch unkorrekt – die Ergebnisse mehrerer Studien zusammenfassen. Mädchen, deren Vater lange abwesend war, sind im Schnitt sexuell früher reif, haben mehr Sexualpartner und neigen weniger zu „Safer-Sex“ als andere. Bislang war nicht recht klar, wie dieser Zusammenhang zustande kommt. Eine Studie aus den USA versuchte sich an einem experimentellen Nachweis.

Wenn der Vater während ihrer Kindheit psychisch oder physisch abwesend ist (nicht bei der Familie lebt, oder sich nicht in der Familie engagiert), zeigen Mädchen eine beschleunigte sexuelle Entwicklung und ein riskanteres Sexualverhalten. Dieser Zusammenhang konnte in vielen Studien bestätigt werden (vgl. DelPriore & Hill, 2013, S. 1) und er gilt beispielsweise nicht für die Töchter von Witwen (bei denen der Vater nicht aus eigenem Antrieb fehlt…). Eine mögliche Erklärung für diese Korrelation ist die evolutionspsychologische Theorie der väterlichen Investition (paternal investment theory, vgl. Draper & Harpending, 1982). Ihr zufolge formt die Abwesenheit des Vaters die sexuelle Strategie der Tochter. Die Tochter lernt gewissermaßen aus der Abwesenheit des Vaters, dass (in dem Umfeld, in dem sie aufwächst) auf Männer kein Verlass ist und dass es sich nicht lohnt, auf eine dauerhafte Partnerschaft zu spekulieren, um gemeinsame Kinder großzuziehen. Die Abwesenheit des Vaters löst also einen Mechanismus aus, der statt einer auf Qualität setzenden Reproduktionsstrategie (wenige Kinder, in die viel investiert wird) eine auf Quantität setzende Strategie (mehr Kinder, in die weniger investiert wird) begünstigt.

(Bei Jungen hat die Abwesenheit des Vaters demzufolge übrigens ähnliche Auswirkungen: Sie sind im Schnitt aggressiver, verhalten sich „maskuliner“ und machen früher ihre ersten sexuellen Erfahrungen).

Das mag man glauben oder auch nicht. Die berichteten Zusammenhänge – man bedenke, dass eine Korrelation keine Verursachungsrichtung anzeigt – lassen sich auch anders erklären. Zum Beispiel könnte es sein, dass Familien, in denen der Vater fehlt, im Schnitt auch Familien sind, in denen schon die Mutter „sexuell aktiver und risikofreudiger“ war. Die Tochter könnte sich hier nur am Modell der Mutter orientieren. Ganz allgemein könnte man davon ausgehen, dass in inkomplette Familien im Schnitt weniger Kontrolle über die Kinder ausgeübt wird und dass das sexuell auffällige Verhalten nur ein Aspekt einer allgemeinen Devianz ist. Das Merkmal „Abwesenheit des Vaters“ hängt nun mal korrelativ mit vielen anderen Merkmalen zusammen (m. W. im Schnitt auch einem geringeren Familieneinkommen, niedrigerem Sozialstatus usw.). All das macht Aussagen über die Verursachungsrichtung extrem fragwürdig. Die Evolutionspsychologen selbst haben noch eine andere Alternativerklärung: Väter, die ihre Familien im Stich lassen, geben dieses Gen (ein „Gen für“ eine eher loses Partnerbindung u. a. m.) auch an ihre Töchter weiter, die dann ein ähnlich loses Verhaltensmuster zeigen. Wie auch immer.

Wie alle evolutionspsychologischen Theorien krankt auch diese Theorie daran, dass sie (bislang) nur ex-post plausibel erscheinen. Das heißt, sie nutzt eine vorhandene Korrelation, um eine eingängig klingende Theorie darum herum zu konstruieren. Sie macht aber fast keine Vorhersagen, die sich ernsthaft experimentell prüfen ließen – mit einer Ausnahme: Die Theorie der väterlichen Investition sagt voraus, dass Frauen in besonderer Weise auf Situationsmerkmale reagieren, die eine Abwesenheit des Vaters anzeigen.

DelPriore und Hill (2013) versuchten, diese Voraussage zu prüfen. Sie gaben ihren Versuchspersonen – Studentinnen der „Texas Christian University“ – in einer Reihe von fünf Experimenten neben allerlei Fragebögen eine Aufgabe vor: Sie sollten in einem kleinen Aufsatz eine Situation aus ihrem Leben beschreiben, bei der sie erleben mussten, dass ihr Vater nicht zugegen sein konnte (z. B. der Abschlussball, den der Vater nicht besuchen konnte, weil er auf Dienstreise war o. ä.). Diese Aufgabe sollte die Studentinnen an „väterliche Abwesenheit“ erinnern und – so die Voraussage der Theorie der väterlichen Investition – eine veränderte Haltung zur Sexualität erzeugen. Anschließend sollten die so an väterliche Abwesenheit erinnerten Studentinnen mehrere Fragen oder Aufgaben über ihre Einstellungen zur Sexualität beantworten. Zum Beispiel sollten die jungen Frauen in einem Versuch Lückenwörter (wie „S_X“ oder „_AK_D“) vervollständigen. Eine sexualisierte Reaktion wäre hier z. B. „Sex“ und „Naked“ zu vervollständigen, eine nicht-sexualisierte Variante „Six“ und „Baked“. In anderen Experimenten sollten sie ihre Haltung zu Aussagen wie „Sex ohne Liebe ist ok“ usw. kundtun oder angeben, mit wie vielen Männern aus ihrem gegenwärtigen Umfeld sie sich vorstellen könnten zu schlafen. Die Reaktion dieser Studentinnen wurde mit der einer anderen Versuchspersonengruppe verglichen, die einen anderen Text schreiben sollte (z. B. zu einer Situation, wo ihre Mutter oder eine Freundin sie enttäuscht hatte).

In der Tat unterschieden sich die Versuchspersonen, die über das Fehlen ihres Vaters bei einem wichtigen Lebensereignis schreiben mussten, von den anderen Versuchspersonen. Sie dachten (etwas, aber signifikant) häufiger an sexuell relevante Wörter, sie konnten sich mehrere ihrer männlichen Bekannten als Sexualpartner vorstellen und sie lehnten eher Kondome beim Sex ab. Zudem zeigte sich, dass sich diese erhöhte Risikobereitschaft nur auf den sexuellen Bereich bezog. Eine Gruppe von männlichen Studenten war von der gleichen Aufgabe (sich daran zu erinnern, wie ihr Vater bei einem wichtigen Lebensereignis nicht dabei war) unbeeindruckt: Sie zeigten keine erhöhte sexuelle Risikobereitschaft.

DelPriore und Hill (2013) sehen in ihren Ergebnissen einen Beleg dafür, dass die Theorie der väterlichen Investition richtig sein könnte. Kritisch anmerken muss man allerdings, dass durch diese Experimente nicht nachgewiesen ist, dass die Abwesenheit des Vaters tatsächlich die Erwartungen der Tochter an die Investitionsbereitschaft von Männern beeinflusst. Außerdem war die Haltung der Studentinnen ohnehin sehr konservativ (man muss sich nur den Ort der Untersuchung – „Texas Christian University“ – vergegenwärtigen). Die meisten von ihnen lebten bei beiden biologischen Elternteilen. Die Unterschiede waren zwar signifikant, spielten sich aber auch auf sehr niedrigem Niveau ab. Zudem: In jedem Versuch musste eine nicht geringe Anzahl an Studentinnen vor der Aufgabe kapitulieren, ein wichtiges Ereignis in ihrem Leben zu beschreiben, bei dem ihr Vater abwesend war: Ihnen fiel einfach kein solches Ereignis ein. Ob hier eine systematische Selektion der Versuchspersonen stattfand, überprüften die Autorinnen anscheinend nicht. Es wäre zum Beispiel möglich: Die Studentinnen, denen aus dem Stegreif ein solches Ereignis einfiel, sind zugleich auch die aktiveren und kreativeren und diese Eigenschaft hängt wiederum mit einem flotteren Sexualleben zusammen. – Nur mal so als Gedanke).

Abgefragt wurde in diesen Experimenten nur hypothetisches Verhalten, die Forscherinnen verließen sich ausschließlich auf Selbstaussagen. Hinzugefügt werden muss, dass es sich bei dieser Studie um Gruppenvergleich handelt: Festgestellt wurden Unterschiede zwischen Gruppen, nicht direkt der Einfluss auf individuelle Einstellungen oder gar individuelles Verhalten.

Es darf also weiter gezweifelt werden, ob die Theorie der väterlichen Investition denn tatsächlich zutrifft.

Literatur

DelPriore, Danielle J. & Hill, Sarah E. (2013). The effects of paternal disengagement on women’s sexual decision making: An experimental approach. Journal of Personality and Social Psychology, May 27, 2013, No Pagination Specified. doi: 10.1037/a0032784

Draper, P., & Harpending, H. (1982). Father absence and reproductive strategy: An evolutionary perspective. Journal of Anthropological Research, 38, 255-273.

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Eingeordnet unter Psychologie, Skepsis

„Sensorische Integration“ hilft nicht bei Nahrungsverweigerung

Die sensorische Integrationstherapie ist ein zweifelhaftes Verfahren zur Behandlung von Entwicklungsstörungen. Bei der Therapie kindlicher Essstörungen wurde sie getestet und für wirkungslos befunden – im Gegensatz zur angewandten Verhaltensanalyse.

Vielen Eltern kennen das: Man möchte das Kind mit dem Breichen füttern, aber lange bevor es das zugemessen Maß gegessen hat, verweigert das Kind dem Löffel den Zugang zum Mund. Das Modellieren erwünschten Verhaltens (Papa oder Mama zeigen, wie man weit den Mund aufmacht und wie lecker die Pampe schmeckt) hilft dann oft nicht mehr weiter. Gibt man jetzt auf, war alle Mühe (Breichen anwärmen, Lätzchen umbinden etc.) umsonst. Zudem wird der Nachwuchs früher oder später wieder Hunger bekommen und das Ganze geht von vorne los. In der Regel gibt sich das und die Kinder lernen, sich während der Mahlzeit das Bäuchchen so füllen zu lassen, dass mal eine Weile Ruhe ist. Manchmal aber handelt es sich um ein ernsthaftes Problem. Kinder verweigern dann die Nahrung so nachhaltig, dass sie zu wenig Nahrung aufnehmen, um sich gesund entwickeln zu können. Oft wird in solchen Fällen eine „sensorische Integrationstherapie“ empfohlen.

Die sensorische Integrationstherapie (Sensory integration therapy, SIT) geht zurück auf Jean Ayres (1974). Demnach sind viele Entwicklungsstörungen auf eine mangelnde Fähigkeit des Kindes, verschiedene Sinnesreize zu integrieren, zurückzuführen. Die SIT versucht, diese Störungen durch verschiedene rhythmische und musikalische Übungen, körperliche Stimulation und Anstrengung usw. zu therapieren. Die SIT wird oft von Ergotherapeuten angewandt und ist auch im deutschsprachigen Raum verbreitet. Ihre angeblichen neurowissenschaftlichen Grundlagen müssen als zweifelhaft angesehen werden, ebenso ihre Wirkung. Jenseits der üblichen Erfolgsanekdoten gibt es kaum fundierte Wirksamkeitsnachweise.

Für das Problem der kindlichen Nahrungsverweigerung (Essstörungen) gibt es auch wirksame verhaltensanalytisch fundierte Behandlungsansätze. Als erfolgreich hat sich eine Kombination aus nicht-kontingenter Verstärkung und der Löschung des Fluchtverhaltens erwiesen (vgl. die Übersicht von Volkert & Piazza, 2012). Dabei werden zunächst in einer funktionalen Analyse die auslösenden und aufrechterhaltenden Bedingungen der Nahrungsverweigerung bestimmt. In der Regel stellt sich heraus, dass das Kind durch die Weigerung, Nahrung aufzunehmen, zweierlei erreicht: Die Aufmerksamkeit der Betreuungsperson und den Abbruch der Bemühungen, das Kind zur Nahrungsaufnahme zu bewegen. Die nicht-kontingente Verstärkung setzt bei der Aufmerksamkeit an. Das Kind erhält nun immer dann Aufmerksamkeit, wenn es nicht gerade die Nahrung verweigert, sondern mehr oder weniger normal isst. Das Kind erreicht zudem durch die Weigerung, den Löffel in den Mund nehmen, nicht mehr, dass die Mahlzeit beendet wird (dies ist die Löschung des Fluchtverhaltens).

Die sensorische Integrationstherapie wird in mehreren Lehrbüchern als die Methode der Wahl bei Essstörungen im Kindesalter empfohlen. Allerdings existieren kaum empirische Untersuchungen zur Wirksamkeit der SIT bei dieser Problematik.

Addison et al. (2012) verglichen die Wirkung von SIT mit der Kombination aus nicht-kontingenter Verstärkung und der Löschung des Fluchtverhaltens bei zwei Kindern im Alter von einem und drei Jahren, die aufgrund einer bestehenden Essstörung untergewichtig waren. Zudem nahmen sie zu wenig Flüssigkeit auf, sodass eine Gesundheitsgefährdung vorlag.

Zunächst wurde eine funktionale Analyse durchgeführt. Dabei zeigte sich, dass es v. a. die Flucht aus der Situation der Nahrungsaufnahme war, die das Verhalten der Nahrungsverweigerung aufrecht erhielt. Die Nahrungsverweigerung trat vor allem dann auf, wenn sie dazu führte, dass dem Kind nicht weiter Nahrung angeboten wurde. Anschließend wurden beide Verfahren – die SIT und die Kombination aus nicht-kontingenter Verstärkung mit Löschung des Fluchtverhaltens – in einem ABCBC-Untersuchungsdesign getestet. Dabei stand

  • A für die Basisratenbedingung, bei der das Kind die Situation der Nahrungsaufnahme beenden konnte, wenn es die Nahrung verweigert (Flucht).
  • B für die von darin ausgebildeten Ergotherapeuten durchgeführte SIT. Wie bei der SIT üblich, konnte auch hier das Kind die Nahrungsaufnahme beenden, wenn es die Nahrung verweigerte (SIT + Flucht).
  • C für die Kombination aus nicht-kontingenter Verstärkung und Löschung des Fluchtverhaltens.

Die Ergebnisse waren eindeutig: Die Phase A und die beiden B-Phasen unterscheiden sich nicht voneinander. Die Nahrungsverweigerung trat hier gleichermaßen häufig auf. In den beiden C-Phasen dagegen ging das Verhalten der Nahrungsverweigerung dagegen stark zurück, bei einem der beiden Kinder sogar fast bis auf null.

Dieses Ergebnis passt zu dem einer Studie von DeGangi et al. (1996). Hier wurden frühgeborene Kinder, die keine Essstörung hatten, mit der sensorischen Integrationstherapie behandelt. Nach der Behandlung zeigten die Kinder aber diese Probleme! – Der Grund dafür mag darin liegen, dass in der SIT explizit empfohlen wird, die Mahlzeit zu beenden, wenn das Kind einmal die Nahrung nicht aufnehmen möchte.

Literatur

Addison, Laura R.; Piazza, Cathleen C.; Patel, Meeta R.; Bachmeyer, Melanie H.; Rivas, Kristi M.; Milnes, Suzanne M. & Oddo, Jackie. (2012). A comparison of sensory integrative and behavioral therapies as treatment for pediatric feeding disorders. Journal of Applied Behavior Analysis, 45(3), 455-471. PDF 650KB

Ayres, A. J. (1974). The development of sensory integrative theory and practice. Dubuque, IA: Kendall/Hunt.

DeGangi, G. A.; Sickel, R. Z.; Wiener, A. S. & Kaplan, E. P. (1996). Fussy babies: To treat or not to treat? British Journal of Occupational Therapy, 59, 457-466.

Volkert, V. M. & Piazza, C. C. (2012). Empirically supported treatments for pediatric feeding disorders. In P. Sturmey & M. Hersen (Eds.), Handbook of evidence based practice in clinical psychology (Vol. 1, pp. 456–481). Hoboken, NJ: Wiley.

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Eingeordnet unter Skepsis, Therapie, Verhaltensanalyse, Verstärkung

Imitation und Sprachentwicklung

Kinder lernen ihre Muttersprache, indem sie die Sprache der Erwachsenen imitieren. Dies lässt sich sogar experimentell nachweisen.

In der Literatur zur Sprachentwicklung wird immer wieder betont, dass Kinder ihre Muttersprache ohne expliziten Unterricht und scheinbar ohne den Einsatz von Verstärkungstechniken durch ihre Erziehungspersonen erlernen. Dabei bezieht man sich in der Regel auf die Studie von Brown und Hanlon (1970). Jedoch konnte Moerk (1983) bei einer Reanalyse der Daten von Brown und Hanlon zeigen, dass diese Forscher viele subtile Verstärkungskontingenzen in der Interaktion zwischen den Kindern und ihren Eltern nicht bemerkten.

Die Sprachentwicklung wird aber nicht nur durch die direkte Verstärkung beeinflusst. Zusätzlich wirkt auch eine automatische Verstärkung. Wenn ein – bereits in der Sprache ansatzweise kompetenter – Sprecher feststellen kann, dass seine Art und Weise zu sprechen mit derjenigen der Sprachgemeinschaft übereinstimmt, wird sein sprachliches Verhalten positiv verstärkt, ohne dass dies explizit von der Sprachgemeinschaft veranlasst worden ist.

Wright (2006) konnte bei sechs Kindern im Alter von 3,5 bis 5,5 Jahren den Gebrauch des Passivs modellieren, ohne dass dies explizit verstärkt worden wäre. Ostvik et al. (2012) wiederholten das Experiment von Wright (2006) mit sechs normal entwickelten norwegischen Vorschulkindern im Alter von drei bis sechs Jahren. Die Kinder benutzten das Passiv, nachdem es von erwachsenen Modellen verwendet worden war. Zuvor hatten die Kinder kein Passiv verwendet. Bei dreien dieser Kinder war die Veränderung so stark, dass nicht einmal das explizite differentielle Verstärken von Aktivkonstruktionen im Sprachgebrauch (mittels Lob und Klebebildchen) die Häufigkeit von Passivkonstruktionen verringern konnte. Die Autoren erklären die Ergebnisse so, dass das Verhalten der Kinder automatisch verstärkt wurde, wenn sie eine Übereinstimmung mit dem sprachlichen Verhalten der Erwachsenen erzielten. Wenn Erwachsene das Passiv verwendeten, führte dies dazu, dass das Verhalten der Kinder, das Passiv zu verwenden, automatisch verstärkt wurde. Die Kinder hörten sich gewissermaßen selbst so sprechen, wie die Erwachsenen sprachen und dies war verstärkend genug. Grammatische Strukturen in der Muttersprache werden vom Kind anscheinend ohne explizite Verstärkung erworben, allein durch die automatische Verstärkung, die eintritt, wenn sich das Kind sprachlich in Übereinstimmung mit der von der Erwachsenen gesprochenen Muttersprache befindet.

Literatur

Brown, R. & Hanlon, C. (1970). Derivational complexity and order of acquisition in child speech. In J. R. Hayes (Ed.), Cognition and the development of language (pp. 11-53). New York: Wiley.

Moerk, E. L. (1983). A behavior analysis of controversial topics in first language acquisition: Reinforcement, corrections, modeling, input frequencies, and the three-term contingency. Journal of Psycholinguistic Research, 12, 129-155.

Ostvik, Leni; Eikeseth, Svein & Klintwall, Lars. (2012). Grammatical constructions in typical developing children: Effects of explicit reinforcement, automatic reinforcement and parity. The Analysis of Verbal Behavior, 28, 73-82. PDF 315 KB

Wright, Anhvinh N. (2006). The role of modeling and automatic reinforcement in the construction of the passive voice. The Analysis of Verbal Behavior, 22, 153-169. PDF 2,42 MB

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Eingeordnet unter Imitation, Sprache, Verhaltensanalyse, Verstärkung

Nachahmung zeigt Wirkung

Mütter ahmen die Lautäußerungen ihrer Kinder nach und verstärken diese damit.

Skinners "Verbal Behavior" ist die Grundlage verhaltensanalytischer SprachforschungAus Langzeitstudien ist bekannt, dass Kinder in der Sprachentwicklung desto besser vorankommen, je häufiger in der frühen Entwicklung mit ihnen gesprochen wurde (Hart & Risley, 1995, 1999). Mütter und Väter imitieren oft und ohne dass sie dazu angeleitet werden müssen die Lautäußerungen ihrer Kinder (Field, 1977; Masur, 1987; Masur & Olson, 2008; Papousek, 1992, Pawlby, 1977). Warum sie das tun – was das beim Kind bewirkt – wurde bislang noch kaum untersucht. Andererseits ist bekannt, dass die Zahl der Lautäußerungen von Kindern durch kontingente soziale Verstärkung erhöht werden kann (Rheingold et al., 1959; Weisberg, 1963).

Pelaez et al. (2011) untersuchten, ob Imitationen der Lautäußerungen des Kindes durch die Mutter auf diese Lautäußerungen als Verstärker wirken. Das heißt: Macht das Kind häufiger bestimmte Lautäußerungen, wenn diese kontingent (systematisch) von der Mutter nachgeahmt werden? Um diese Vermutung zu prüfen, muss man die evtl. verstärkende Wirkung der Imitationen von einer bloßen anregenden Wirkung differenzieren. Man muss also feststellen können, ob es nicht vielleicht nur die Anwesenheit der Mutter ist, die das Kind zu Lautäußerungen ermutigt. In diesem Fall würde das Kind in Anwesenheit der Mutter gleich viele Lautäußerungen machen, gleichgültig ob die Mutter diese imitiert oder nicht. Andererseits sollte man die Imitation nicht mit einer Situation vergleichen, in der die Mutter lediglich neben dem Kind sitzt. Dieser Vergleich mit einer Extinktionsbedingung kann das Ergebnis verzerren, da eine nicht-reagierende Mutter beim Kind zu starken emotionalen Reaktionen führen kann.

Pelaez et al. (2011) verglichen daher in einem BAB-Untersuchungsdesign die Wirkung der Imitation der Lautäußerungen des Kindes mit einer Situation, in der die Mutter auch agierte, jedoch nicht in Reaktion, kontingent auf die Lautäußerungen des Kindes:

  • B – In dieser Phase des Experiments ahmte die Mutter die jeweils letzte Lautäußerung des Kindes nach.
  • A – Die Mutter reagiert hier nicht unmittelbar auf die Lautäußerungen des Kindes, sie machte aber selbst mit der gleichen Häufigkeit wie in der B-Phase die gleichen Lautäußerungen. Sie tat dies immer dann, wenn das Kind etwas anderes tat als Lautäußerungen zu machen. Man nennt dieses Verfahren „differentielle Verstärkung anderen Verhaltens“ (oder DRO für differential reinforcement of other behavior).
  • B – Hier ahmte die Mutter wieder die Lautäußerungen des Kindes kontingent nach.

Jede dieser Phasen dauerte drei Minuten, dazwischen war jeweils eine Minute Pause.

An der Studie nahmen zunächst 17 Kinder mit ihren Müttern teil. Es handelte sich um frühgeborene Kinder, die eine Kinderklinik aufsuchten, weil bei ihnen ein erhöhtes Risiko für eine Sprachentwicklungsverzögerung bestand. Die Mütter wurden im Warteraum angesprochen und um die Teilnahme an einem Versuch zur Sprachentwicklung beim Kind gebeten. Anschließend wurden die Mütter in der kontingenten Imitation der Lautäußerungen ihrer Kinder und in der differentiellen Verstärkung anderen Verhaltens geschult. Sechs Mütter konnten das Trainingsprotokoll nicht umsetzen und schieden daher mit ihren Kindern aus der Studie aus. Bei den verbleibenden elf Kindern handelte es sich um fünf Jungen und sechs Mädchen im Alter von drei bis acht Monaten (Durchschnitt 6,1 Monate).

Das Experiment wurde auf Video aufgezeichnet und von zwei geschulten Beobachtern gleichzeitig ausgewertet. Gezählt wurde die Anzahl der Lautäußerungen pro Minute. Als eine Lautäußerung galt ein Vokal (z. B. „Iih“), eine Kombination von Konsonant und Vokal („Da“, „Ma“ usw.) oder aber eine Aneinanderreihung von solchen Kombinationen („Dadaba“).

Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass die mütterliche Imitation kindlicher Lautäußerungen als Verstärker für diese wirkt. Bei zehn der elf Kinder zeigten sich abhängig von der Phase des Versuchs deutliche Unterschiede in der Häufigkeit der Lautäußerungen. Im Schnitt machen die Kinder

  • in der ersten B-Phase 21,5,
  • in der A-Phase 11,5 und
  • in der zweiten B-Phase 29,5 Lautäußerungen je Minute.

Der Anstieg in der zweiten B-Phase spricht für einen überdauernden Lerneffekt.

Mit dieser Studie konnte allerdings nicht aufgezeigt werden, ob die Steigerung der Lautäußerungen des Kindes zu einer Veränderung der Topografie der Lautäußerungen führte. Man sollte annehmen, dass eine Verstärkung bestimmter Lautäußerungen (wie z. B. „Ma“) durch mütterliche Imitation dazu führt, dass speziell dieser Laut („Ma“) häufiger geäußert wird. Prinzipiell ist diese differentielle Verstärkung von kindlichen Lautäußerungen nachgewiesen (Routh, 1969), jedoch nicht für den Fall der Verstärkung durch Imitation. Eine solche differentielle Verstärkung bestimmter Lautäußerungen führt dazu, dass sich die Vokalisationen des Kindes der Sprache seiner Eltern annähern. Zum Beispiel wird eine Mutter in Deutschland auf die Lautfolge „Ma“ anders reagieren als etwa auf die Lautfolge „Xa“. Wenn das Kind häufiger „Ma“ sagt, wird es früher oder später auch „Mama“ sagen, was wiederum von der Mutter auf vielfältige Weise verstärkt werden wird. Nach und nach sagt dann das Kind immer häufiger „Mama“, woraufhin die Bezugspersonen dazu übergehen werden, nur noch dann begeistert zu reagieren, wenn dies in Gegenwart der Mutter geschieht. Diesen Vorgang nennt man „Stimuluskontrolle“: Ein Verhalten („Mama“ sagen) wird nur in bestimmten Situationen (in Anwesenheit der Mutter) verstärkt, nicht aber in anderen Situationen (wenn der Vater oder der Onkel sich über das Kinderbettchen beugen).

Den besten Rat, den die Verhaltensanalyse den Eltern kleiner Kinder geben kann, lautet (Gewirtz & Pelaez-Nogueras, 1992): Sprecht und interagiert viel mit euren Kindern! Zahlreiche Studien haben den Zusammenhang zwischen sprachlicher Stimulation durch die Eltern in den ersten Lebensjahren und der späteren sprachlichen und intellektuellen Entwicklung des Kindes belegt (Kaplan et al., 2007; Newman et al., 2006; Tamis-LeMonda et al., 2001; Thiessen et al., 2005).

Literatur

Field, Tiffany M. (1977). Maternal stimulation during infant feeding. Developmental Psychology, 13(5), 539-540.

Gewirtz, Jacob L. & Pelaez-Nogueras, Martha. (1992). B. F. Skinner’s legacy in human infant behavior and development. American Psychologist, 47(11), 1411-1422.

Hart, B. & Risley, T. R. (1995). Meaningful differences in the everyday experiences of young American children. Baltimore: Brookes.

Hart, B. & Risley, T. R. (1999). The social world of children learning to talk. Baltimore: Brookes.

Kaplan, Peter S.; Sliter, Jessica K. & Burgess, Aaron P. (2007). Infant-directed speech produced by fathers with symptoms of depression: Effects on infant associative learning in a conditioned-attention paradigm. Infant Behavior & Development, 30(4), 535-545.

Masur, Elsie Frank. (1987). Imitative interchanges in a social context: Mother-infant matching behavior at the beginning of the second year. Merrill-Palmer Quarterly, 33(4), 453-472.

Masur, Elise Frank & Olson, Janet. (2008). Mothers’ and infants’ responses to their partners’ spontaneous action and vocal / verbal imitation. Infant Behavior & Development, 31(4), 704-715.

Newman, Rochelle; Ratner, Nan Bernstein; Jusczyk, Ann Marie; Jusczyk, Peter W. & Dow, Kathy Ayala. (2006). Infants’ early ability to segment the conversational speech signal predicts later language development: a retrospective analysis. Developmental Psychology, 42(4), 643-655.

Papousek, M. (1992). Early ontogeny of vocal communication in parent-infant interactions. In H. Papousek, U. Jurgens & M. Papousek (Eds.), Nonverbal vocal communication: Comparative and developmental approaches (pp. 230-261). New York: Cambridge University Press.

Pawlby, S. J. (1977). Imitative interaction. In H. R. Schaeffer (Ed.), Studies in mother-infant interaction (pp. 203-224). London: Academic Press.

Pelaez, Martha; Virues-Ortega, Javier & Gewirtz, Jacob L. (2011). Reinforcement of vocalizations through contingent vocal imitation. Journal of Applied Behavior Analysis, 44(1), 33-40. PDF 243 KB

Rheingold, H.; Gewirtz, J. L. & Ross, H. W. (1959). Social conditioning of vocalizations in the infant. Journal of Comparative and Physiological Psychology, 52, 68-73.

Routh, Donald K. (1969). Conditioning of vocal response differentiation in infants. Developmental Psychology, 1(3), 219-226.

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