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Selbstverpflichtung, keine Fake-News zu verbreiten

Warum werden Fake-News so gerne weiterverbreitet? Und was kann man tun, um die Weiterverbreitung von Fake-News einzudämmen?

Warum werden Falschnachrichten (Fake News) überhaupt weiterverbreitet? Aus verhaltensanalytischer Sicht sprechen einige unmittelbar wirkende Konsequenzen für das Verbreiten von Falschnachrichten und gegen das Richtigstellen von Falschnachrichten anderer. Wenn ich eine falsche Nachricht korrigiere, handle ich mir eventuell Ärger mit denjenigen ein, die sie vor mir verbreitet haben, was eine aversive soziale Kontingenz darstellt. Wenn ich die falsche Nachricht dagegen weiterverbreitete, bekomme ich gegebenenfalls von der Person, von der ich sie übernommen habe, und von anderen, die der selben Meinung sind, Anerkennung (ein „Like“). Das Richtigstellen von Falschnachrichten ist dagegen mit einem nicht unerheblichen Verhaltensaufwand verbunden. Ich muss gründlich recherchieren, um sicherzustellen, dass ich niemanden zu Unrecht des Verbreitens einer falschen Nachricht bezichtigen. Tsipurksy et al. (2018) berichten über den von ihnen initiierten Pro-Truth Pledge (PTP, siehe https://www.protruthpledge.org/), eine Selbstverpflichtung, künftig nur noch geprüfte Informationen weiterzugeben. Die Pro-Truth Pledge beinhaltet,

  • dass man sich verpflichtet, möglichst nur verifizierte Informationen weiterzugeben,
  • dass man anerkennt, wenn andere zutreffende Informationen verbreiten, auch wenn man ansonsten mit dieser Person nicht übereinstimmt und
  • dass man andere dazu ermutigt, zutreffende Informationen zu verbreiten und anzuerkennen, z. B. indem man sie auf zuverlässige Quellen hinweist und sich bei ihnen dafür bedankt, wenn sie falsche Informationen korrigieren.

Das Eingehen dieser Selbstverpflichtung ist freiwillig. Dadurch, dass der Unterzeichner einwilligt, dass sein Name veröffentlicht wird, arrangiert er soziale Konsequenzen, die dafür sorgen, dass er sich an seine Selbstverpflichtung hält. Die Pro-Truth Pledge beinhaltet einige Mechanismen, die ihre Wirkung erhöhen sollen. Freiwillige, die sich für die Pro-Truth Pledge einsetzen, überprüfen die Aussagen von Personen, die die Selbstverpflichtung unterschrieben haben und konfrontieren diese Personen gegebenenfalls mit widersprechenden, korrekten Informationen. Dies geschieht zunächst jedoch nicht öffentlich, wobei der Person Gelegenheit gegeben wird, ihren Beitrag zu erläutern und gegebenenfalls zu korrigieren. Wird eine weiterhin falsche Information nicht korrigiert, wird dies öffentlich gemacht. Zur Überprüfung der Behauptungen bedient man sich allgemein wissenschaftlich akzeptierter Quellen und Organisationen, die z. B. auch von Facebook hinzugezogen werden, um Fakten zu überprüfen. In den Vereinten Staaten haben mittlerweile über 500 Politiker, zahlreiche Prominente wie Michael Shermer und Steven Pinker* sowie über 70 Organisationen die Pro-Truth Pledge unterschrieben.

In einer Pilotstudie überprüften Tsipurksy et al. (2018) die Wirkung der Pro-Truth Pledge. 21 Personen nahmen teil. Die Teilnehmer ermöglichten den Forschern den Zugriff auf ihre Facebookprofile. Die Forscher bewerteten je zehn Beiträge jedes Teilnehmers bevor dieser die Pro-Truth Pledge unterschrieben hatte und zehn, nachdem er unterschrieben hatte. Jeder Beitrag wurde auf einer Skala von 1-5 bewertet, wobei ein Wert von „1“ bedeutete, dass der Beitrag falsche Informationen enthielt, „5“ bedeutete, dass der Beitrag explizit falsche Informationen korrigierte. Ein Wert von „4“ bedeutete bereits, dass der Beitrag keine falschen Informationen beinhaltete. Die Beiträge der 21 Teilnehmer, bevor diese die Pro-Truth Pledge unterschrieben hatten, wurden  im Schnitt mit 2,49 bewertet. Die Beiträge nach Unterzeichnung PTP wurden im Schnitt mit 3,65 bewertet. Der Unterschied zwischen diesen beiden Werten war statistisch signifikant. Diese Pilotstudie weist natürlich einige Schwächen auf, unter anderem dass die beiden Forscher, die die Beiträge bewerteten, nicht verblindet waren, also wussten, ob ein Beitrag vor oder nach Unterzeichnung der PTP verfasst worden war.

*Was nicht einer gewissen Ironie entbehrt, da Steven Pinker in seinen Büchern eine ganze Menge falsche Informationen über den Behaviorismus und B.F. Skinner verbreitet (siehe Schlinger, 2002). Man mag hoffen, dass er das in Zukunft sein lässt.

Literatur
Schlinger, H. D. (2002). Not so fast Mr. Pinker. A behaviorist looks at The Blank Slate. A Review of Steven Pinker’s The Blank Slate: The Modern Denial of Human Nature. Behavior and Social Issues, 12(1), 75-79. https://doi.org/10.5210/bsi.v12i1.81
Tsipursky, G., Votta, F., & Roose, K. M. (2018). Fighting fake news and post-truth politics with behavioral science: The pro-truth pledge. Behavior and Social Issues, 27(1), 47-70. https://doi.org/10.5210/bsi.v27i0.9127

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