Weiter laufen und schneller und besser schreiben – durch Feedback, Ziele setzen, Verstärkung

Feedback und das Setzen von Zielen haben sich in vielen Bereichen als wirksame Maßnahmen zur Verbesserung der Leistung erwiesen. Dies gilt auch und in besonderem Maß für den Bereich sportlicher Aktivitäten. Wack et al. (2014) konnten fünf jungen Frauen mit Feedback und Zielen dabei helfen, die Länge der Strecken, die sie pro Woche liefen, zu steigern. Die Teilnehmerinnen erhielten von den Forschern ein Gerät, das sie am Körper trugen und das die gelaufene Strecke erfasste. Das Gerät aktivierte sich, sobald die Teilnehmerin schneller als 6,4 km/h lief. Zwei bis vier Wochen lang erfassten die Forscher zunächst die Basisrate der gelaufenen Strecken. Die gelaufenen Strecken lagen in dieser Phase zwischen 0 und 9 Kilometer. Anschließend legten die Teilnehmerinnen mit den Forschern gemeinsam Ziele fest: Ein langfristiges Ziel, nämlich die Strecke, die sie bei einem einzelnen Lauf am Ende der Untersuchung schaffen wollten und ein kurzfristiges Ziel, die Distanz, die sie in der folgenden Woche bei einem einzelnen Lauf zurücklegen wollten (dieses Ziel wurde jede Woche neu festgelegt). Die Teilnehmerinnen sollten mindestens dreimal in der Woche laufen gehen, wobei sie bei zwei der drei Läufe mindestens die zum Ziel gesetzte Distanz laufen sollten. Die Teilnehmerinnen sollten sich jede Woche ein etwas höheres Ziel setzen als in der Woche zuvor. Bei wöchentlichen Treffen wurde den Teilnehmerinnen graphisches und mündlich vermitteltes Feedback gegeben. Bei zwei der fünf Teilnehmerinnen schlug diese Maßnahme sehr gut an, sie konnten ihre Laufleistung innerhalb von 10 Wochen von ursprünglich 0,2 km auf durchschnittlich 3,9 km und von durchschnittlich 9,2 km auf 24,9 km je Woche steigern. Drei Teilnehmerinnen konnten ihre selbstgesetzten Ziele nicht erreichen. Für diese Teilnehmerinnen wurde die Intervention modifiziert. Das kurzfristige Ziel bestand nun darin, in der folgenden Woche eine bestimmte Gesamtstrecke zu laufen, wobei es egal war, welche Strecke sie bei einem einzelnen Lauf zurücklegten. Dieses Ziel sollten die Teilnehmerinnen mindesten zwei Wochen lang erreichen, ehe sie ein neues, höheres Ziel festlegten. Das langfristige Ziel wurde ebenfalls verändert: Statt der Laufstrecke bei einem einzelnen Lauf wurde nun eine angestrebte wöchentliche Laufleistung als Ziel festgelegt. Diese drei Teilnehmerinnen steigerten nun auch innerhalb von weniger als zehn Wochen ihre wöchentliche Laufleistung:

  • Von 0 km während der Basisratenbeobachtung auf 6,1 km nach dem die Intervention modifiziert worden war.
  • Von 8,4 km auf 12,2 km.
  • Von 0 km auf 9,2 km.

Die Teilnehmerinnen füllten am Ende der Untersuchung einen Fragebogen zur sozialen Validität der Maßnahme aus. Alle Teilnehmerinnen gaben, dass ihnen die Maßnahme Spaß gemacht habe, dass sie über die erreichten Erfolge froh seien und dass sie glaubten, dass das Setzen von Zielen für ihre gute Motivation verantwortlich sei. Leider liegen keine Daten zu der Frage vor, ob die Teilnehmerinnen die erreichten Verbesserungen beibehalten konnten. Im Fragebogen hatten alle Frauen angegeben, dass sie weiterhin Laufen gehen wollten.

Auch Fähigkeiten wie das Schreiben können durch das Setzen von Zielen und Feedback gestärkt werden. Hansen und Howard (2014) ließen Jonathan, einen normal entwickelten 10jährigen, drei Minuten lang schreiben und zählten die Anzahl der richtig geschriebenen Wörter. Jonathan erreichte im Schnitt 27,3 Wörter, während seine Klassenkameraden in dieser Zeitspanne 37,8 Wörter schrieben. Im Folgenden wurde Jonathan vor jeder Übung gebeten, sich ein Ziel zu wählen, wie viele Wörter er in drei Minuten schreiben könnte. Das Ziel sollte jeweils höher liegen als der Wert, den er bei der letzten Übung erreicht hatte. Wenn Jonathan das Ziel erreichte, erhielt er eine kleine Belohnung (z. B. einen Stift, eine kleines Spielzeug oder eine Mitteilung an seine Eltern über seine Fortschritte). Durch diese Maßnahme stieg die Zahl der richtig geschriebenen Wörter auf 34 bis 43, zuletzt im Schnitt 39. Diese Übung erwies sich als hilfreich, um Jonathan „Fluency“ beim Schreiben zu vermitteln. Ein Verhalten wie das Schreiben von Wörtern sollte nicht nur prinzipiell, sondern auch leicht („flüssig“) von der Hand gehen, nur dann kann man komplexere Verhaltensformen darauf aufbauen. Die komplexere Verhaltensform war in Jonathans Fall das Schreiben kompletter Sätze. Zu Beginn und während der ersten Übungen konnte Jonathan keinen einzigen kompletten Satz schreiben. Daher fand zweimal ein 15minütiger Unterricht statt, in dem Jonathan vermittelt wurde, wie er komplette Sätze schreiben könne. Dabei wurden ihm Beispiele für komplette und nicht-komplette Sätze gezeigt, er sollte diese voneinander unterscheiden können, seine eigene Groß- und Kleinschreibung korrigieren etc. Anschließend wurde mit Jonathan vereinbart, dass er mehr komplette Sätze als bisher schreiben sollte. Die Zahl der kompletten Sätze, die Jonathan in drei Minuten schreiben konnte, steigert sich allmählich von 0 auf 3 bis 6, im Schnitt zuletzt 3,7. Ohne dass dies gesondert geübt wurde, verringerte sich über den Zeitraum der Untersuchung hinweg kontinuierlich auch die Zahl der Fehler. Nach und nach wurde auch die Häufigkeit, mit der Jonathan beim Erreichen seiner Ziele Belohnungen erhielt, verringert (der Verstärkerplan wurde ausgedünnt), was dazu beiträgt, dass die Verbesserungen auch nach Ende der Maßnahme beibehalten werden können.

Literatur

Hansen, Blake D. & Wills, Howard P. (2014). The effects of goal setting, contingent reward and instruction on writing skills. Journal of Applied Behavior Analysis,47(1), 171-175. PDF 207 KB

Wack, Stephanie R.; Crosland, Kimberly A. & Miltenberger Raymond G. (2014). Using goal setting and feedback to increase weekly running distance. Journal of Applied Behavior Analysis, 47(1), 181-185. PDF 256 KB

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4 Kommentare

Eingeordnet unter Verhaltensanalyse, Verstärkung

4 Antworten zu “Weiter laufen und schneller und besser schreiben – durch Feedback, Ziele setzen, Verstärkung

  1. Frage

    Hat diese Methode auch erfolg bei sozialen Aktivitäten?

    Andere Frage: Gibt es Verstärkerpläne, die wissenschaftlich erarbeitet wurden, eigentlich auch frei im Internet zum Durchlesen?
    Wäre sehr interessant, wenn man z. B. Nichtraucher werden will. 🙂

  2. Ja, zu allen Fragen. Wenn du so nicht fündig wirst, kann ich hier gelegentlich was dazu schreiben.

    • Frage

      Leider finde ich so gut wie nichts. Oder immer die selben. Suche ich falsch?

      • Zum Thema Nikotin hätte ich auf diesem Blog einen Artikel. Erinnere mich doch an das Thema noch mal, wenn du siehst, dass ich wieder mehr schreibe (und infolgedessen wohl wieder mehr Zeit habe).

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