Wieder mal ein Effekt

In der Psychologie kann man sich unter anderem dadurch einen Namen machen, dass man einen neuen Effekt entdeckt. Wie banal der auch immer sein mag.

Hui et al. (2014) kreieren den „Manhattan-Effekt“. Üblicherweise fördert man in einer Beziehung die persönlichen Interessen des Partners. Wenn diese persönlichen Interessen aber so strak werden, dass sie die Partnerschaft bedrohen, lässt die Unterstützung der Interessen des Partners nach und kann sich sogar ins Gegenteil verkehren.

Den Begriff „Manhattan-Effekt“ leiten sie von dem gleichnamigen Film von und mit Woody Allen aus dem Jahr 1979 ab. Der 42-jährige Isaac unterhält eine Beziehung zur 17-jährigen Tracy. Da Isaac die Beziehung als nicht von Dauer ansieht, bestärkt er Tracy darin, sich selbst zu verwirklichen. Erst nachdem sein Versuch, eine Beziehung zur etwa gleichaltrigen Mary (gespielt von Diane Keaton) einzugehen, gescheitert ist, erkennt Isaac, dass ihm die Beziehung zu Tracy doch wichtiger ist, als ursprünglich von ihm angenommen. Doch nun ist es zu spät, denn Tracy bricht – wie ihr von Isaac geraten wurde – zu einem längeren Aufenthalt nach London auf. Isaac meint nun, dass Tracy eigentlich nicht nach London gehen sollte.

Abgesehen davon, dass man sich fragen muss, ob die Schaffung eines „Manhattan-Effekts“ etwas ist, was die Psychologie auch noch gebraucht hat, ist die Handlung des Films eigentlich, streng betrachtet, kein klassisches Beispiel für einen „Manhattan-Effekt“. Isaacs Sinneswandel resultiert nicht aus der stärkeren Bedrohung der Beziehung durch Tracys Verhalten oder Interessen („as the relationship thread posed by the partner’s interests becomes stronger“, S. 546) sondern aus einer Neubewertung der Beziehung durch Isaac: Seine zweite Option, eine Beziehung zu Mary, fällt weg, daher wird die Beziehung zu Tracy für ihn wichtiger. Geändert hat sich also nicht die Bedrohung, sondern der Wert der Beziehung. Der „Manhattan-Effekt“, ein Mis-Namer?

Literatur

Hui, Chin Ming; Finkel, Eli J.; Fitzsimons, Gráinne M.; Kumashiro, Madoka & Hofmann, Wilhelm. (2014). The Manhattan effect: When relationship commitment fails to promote support for partners’ interests. Journal of Personality and Social Psychology, 106(4), 546-570.

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Eingeordnet unter Kritik, leichte Kost, Psychologie

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