Blas mir einen…

491px-Q24…Ballon auf und ich sage dir, wie risikofreudig du bist. (Ja, mir ist tatsächlich kein Witz zu billig, um Aufmerksamkeit für dieses Blog zu erreichen).

Wenn man wissen will, wie risikofreudig jemand ist, kann man ihn fragen. Interessiert man sich beispielsweise dafür, ob jemand zu riskantem Sexualverhalten neigt, kann man ihn fragen, wie oft er ungeschützten Verkehr hat, wie viele Sexualpartner er hat usw. Leider sind diese Selbstberichte notorisch unzuverlässig. Zu viele Faktoren beeinflussen, was die Person in einer solchen Befragung angibt (der situativ bedingte Wunsch, besonders „cool“ oder aber besonders „brav“ zu erscheinen usw.), in unvorhersagbarer Art und Weise.

Eine Möglichkeit, die „Risikofreude“ einer Person direkt zu messen, die sich zudem als recht zuverlässig erwiesen hat, ist die „Ballon-Aufgabe“ (Balloon Analogue Risk Task, BART). Die Versuchsperson soll dabei am PC-Monitor durch Mausklicks einen Luftballon „aufblasen“. Mit jedem Klick wird der gezeigte Ballon größer und die Versuchsperson bekommt mehr Punkte gutgeschrieben (die sie am Ende des Versuchs gegen Geld eintauschen kann). Mit jedem Klick steigt aber auch das Risiko, dass der Ballon platzt. Die Versuchsperson verliert in diesem Fall alle Punkte (für diesen Ballon). Nach (z. B.) 30 Ballons endet der Versuch und die Versuchsperson kann die Punkte gegen Geld eintauschen. Die Risikobereitschaft kann dabei auf mehrere Weise gemessen werden, u. a. durch die Zahl der Klicks auf nicht-explodierte Ballons oder die Zahl der explodierten Ballons.

„Risikobereitschaft“ ist jedoch kein übergreifendes Persönlichkeitsmerkmal. Menschen sind in einigen Bereichen risikofreudiger als in anderen. Steven R. Lawyer (2013) untersuchte daher den Zusammenhang zweier Varianten der „Ballon-Aufgabe“ mit der durch zahlreiche Fragebögen erfassten Risikobereitschaft in verschiedenen Bereichen (sexuelle Praktiken, Glücksspiel, kriminelles Verhalten etc.). Die 77 männlichen Versuchspersonen spielten die Ballon-Aufgabe in einer von zwei Varianten. Die eine Hälfte der Versuchspersonen spielte um Geld (wie oben beschrieben, ein Klick entsprach einem Cent), die andere um Punkte, die im Anschluss gegen Zeiten eingetauscht wurden, die die Versuchsperson einen Videoclip mit sexuellen Inhalten sehen konnten (ein Klick entsprach einer Sekunde). Es nahmen nur männliche Versuchspersonen teil, da frühere Untersuchungen gezeigt hatten, dass Videoclips mit sexuellen Inhalten bei den meisten Frauen nicht im ausreichend Maß als Verstärker wirken.

Lawyer (2013) fand heraus, dass die Risikobereitschaft, wie sie bei der ersten Gruppe (Geld) gemessen wurde, mit der (mit Fragebögen gemessenen) Neigung zu kriminellem Verhalten, Drogenkonsum und Glücksspiel korrelierte. Die Risikobereitschaft der zweiten Gruppe (Videoclips) korrelierte dagegen mit den Werten für sexuelle Erregbarkeit und kriminellem Verhalten.

Die Ballon-Aufgabe wird in vielen Varianten zur Messung der Risikobereitschaft eingesetzt. Bei der 40. Konferenz der Association for Behavior Analysis International (ABA-I), die vom 23. Mai bis 27. Mai 2014 in Chicago stattfindet, wird es speziell zu diesem Thema ein Symposium zu den Forschungen in diesem Bereich geben (#370 über „Program Details“ suchen).

Literatur

Lawyer, Steven R. (2013). Risk taking for sexual versus monetary outcomes using the balloon analogue risk task. The Psychological Record, 63(4), 803-820.

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Eingeordnet unter Psychologie, Verhaltensanalyse

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