Zuhören bedeutet, sich sprachlich zu verhalten

Nur weil der Untersuchungsgegenstand sehr komplex ist, muss die Theorie, die ihn erklärt, nicht ebenfalls furchtbar komplex sein.

Philosophen, Sprachwissenschaftler und Psychologen unterstellen, dass Sprache etwas ganz Besonderes sein muss. Skinners Fehler war ihnen zufolge, diese Einzigartigkeit der menschlichen Sprache zu ignorieren und sie nicht anders zu behandeln wie das Hebeldrücken einer Ratte.

„[P]hilosophers, linguists, and psychologists suggest[s] that language is special […]. Skinner’s error, then, according to these scholars, was to miss the uniqueness of human language by treating it no differently then the bar pressing of a rat” (Schlinger, 2008, p. 147).

Zwar kommt das Wort „Zuhörer” mit 793 Erwähnungen in Verbal Behavior ähnlich häufig vor wie das Wort „Sprecher” mit 893 Erwähnungen, doch beschäftigt sich Skinner in seinem Buch vorrangig mit dem sprachlichen Verhalten des Sprechers. Nach Schlinger (2008) verhält sich auch der Zuhörer sprachlich. Um nicht nur hören, sondern das Gehörte auch verstehen und umsetzen zu können, muss er sich selbst, in der Regel verdeckt, sprachlich verhalten.

Neuropsychologische Untersuchungen stützen die verhaltensanalytische Grundannahme der Kontinuität des Verhaltens. Verdecktes Verhalten ist nicht grundsätzlich verschieden vom offenen Verhalten, der Unterschied betrifft nur die Möglichkeit, es von Außen zu beobachten. Dafür, dass „kognitive“ Leistungen etwas grundsätzlich anderes wären als offenes Verhalten, gibt es dagegen keinerlei Belege. Im speziellen stützen dies Untersuchungen die Annahme, dass jemand, der zuhört, subvokales sprachliches Verhalten zeigt.

Das subvokale sprachliche Verhalten des Zuhörers kann zwei Formen annehmen. Zum einen handelt es sich um echoisches Verhalten. Der Zuhörer wiederholt das Gehörte „in Gedanken“. Zum anderen handelt es sich um intraverbales Verhalten. Der echoisch wiederholte Input wird zum diskriminativen Stimulus für eigenes sprachliches Verhalten.

Literatur

Schlinger, Henry D. (2008). Listening is behaving verbally. The Behavior Analyst, 31(2), 145-161.

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter radikaler Behaviorismus, Verhaltensanalyse

Eine Antwort zu “Zuhören bedeutet, sich sprachlich zu verhalten

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