Mit der Neuropsychologie macht sich die Psychologie überflüssig

Schon B. F. Skinner (1989) warnte die Psychologie, sich zu sehr auf eine spätere Bestätigung durch die Neurologie zu verlassen:

“But psychology may find it dangerous to turn to neurology for help. Once you tell the world that another science will explain what your key terms really mean, you must forgive the world if it decides that other science is doing the important work” (S. 67). (1)

(Für die Psychologie könnte es böse enden, wenn sie bei der Neurologie um Hilfe nachsucht. Wenn man der Welt verkündet, dass eine andere Wissenschaft erklären wird, was genau die Schlüsselbegriffe der eigenen Wissenschaft eigentlich bedeuten, dann muss man schon nachsichtig mit der Welt sein, wenn sie entscheidet, dass die andere Wissenschaft die eigentlich wichtige Arbeit macht.)

Die Gesetzmäßigkeiten der Verhaltensanalyse gelten bereits jetzt. Maßnahmen auf der Grundlage dieser Gesetzmäßigkeiten funktionieren auch bereits jetzt. Die Verhaltensanalyse muss nicht auf eine spätere Bestätigung durch eine andere Wissenschaft vertrösten. Skinner vertrat die Auffassung, dass nichts, was man eventuell noch über die Physiologie herausfinden könnte, etwas an der Gültigkeit der von ihm entdeckten Gesetze des Verhaltens ändern könnte. Die Physiologie kann dabei helfen, die Gesetzmäßigkeiten des Verhaltens besser zu verstehen (eine andere Warum-Frage beantworten), sie ändert aber nichts an diesen Gesetzmäßigkeiten.

Literatur

Skinner, B. F. (1989). Recent Issues in the Analysis of Behavior. Columbus: Merrill Publishing Company.

(1) Danke an Per Holth für dieses Zitat.

Advertisements

2 Kommentare

Eingeordnet unter Philosopie, radikaler Behaviorismus, Uncategorized, Verhaltensanalyse

2 Antworten zu “Mit der Neuropsychologie macht sich die Psychologie überflüssig

  1. Frage

    Ist das nicht sogar das erklärte Ziel des Neuro-Reduktionismus? Die Psychologie auf die Neurologie zurückzuführen?

    Man mag jetzt darüber streiten, ob das eher ein philosophisches oder wissenschaftliches Ziel ist.
    Der Behaviorismus vertritt eben eine andere „Philosophie“.

  2. Die Verhaltensanalyse (die Wissenschaft, deren Wissenschaftstheorie der radikale Behaviorismus ist) ist eine andere Wissenschaft als die Psychologie, das ist für mich die Lehre. Wenn man die (kognitive u. ä.) Psychologie ernst nimmt, muss man Neuro-Reduktionist sein, das sehe ich auch so. Irgendwann ist die Psychologie mehr oder weniger in der Neurologie aufgegeangen. Außer man meint, es gäbe eine (immaterielle) Seele, die nicht auf Gehirnaktivität zurückzuzuführen ist.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s