Schizophrenie – einmal nicht als biologische Störung erklärt

Schizophrenie geht mit Störungen in der Gehirnphysiologie einher, heißt es. Aber ist die gestörte Gehirnchemie auch die Ursache der Krankheit? – Vieles spricht dafür, dass auch schizophrenes Verhalten adaptiv (also letztlich erklärbar und sinnvoll) sein kann.

Die biologischen Erklärungsmodelle beherrschen die Psychiatrie. Dennoch gab es in den letzten Jahren eine kleine Renaissance der Forschung zu den psychosozialen Risikofaktoren für die Entstehung von Schizophrenie (McGrath, 2007, S. 14). Dabei wird die traditionelle Trennung von Anlage und Umwelt bewusst außer Acht gelassen und eine funktional-analytische Perspektive eingenommen.

Irwin Rosenfarb (2013) betrachtet die Entstehung von Schizophrenie aus funktional-analytischer Sicht. Diese unterscheidet sich von der eher „essentialistischen“ Sichtweise (Palmer & Donahoe, 1992). Genetische, biologische und kognitive Interpretationen sind zumeist essentialistisch. Als essentialistisch bezeichnet man die Tendenz, Naturphänomene als Resultate von zugrundeliegenden intrinsischen Eigenschaften zu sehen. Aus genetischer Sicht ist etwa der Defekt in einem bestimmten Gen, aus neurologischer Sicht die Größe des Hypothalamus und aus kognitiver Sicht die Störung des episodischen Gedächtnisses oder der „zentralen Exekutive“ die intrinsische Eigenschaft, die die „Essenz“ der Schizophrenie bildet. Eine selektionistische Sichtweise wie die funktional-analytische ist vor allem daran interessiert, wie durch phylogenetische und ontogenetische Faktoren das schizophrene Verhalten selektiert wird.

Das verbreitete Diathese-Stress-Modell der Schizophrenieentstehung geht davon aus, dass eine Veranlagung mit belastenden Lebensereignissen zusammenkommen muss, damit eine Person an Schizophrenie erkrankt. Nach Einschätzung von Rosenfarb ist auch dieses Modell im Wesentlichen essentialistisch.

Rosenfarb listet zunächst auf, welche psychosozialen Risikofaktoren nach dem Stand der Forschung zur Entstehung einer Schizophrenie beitragen können (in dem Sinne, dass diese Variablen mit einer Schizophrenie signifikant korrelieren; Rosenfarb, S. 931f, listet die entsprechenden Studien auf):

  • Kindheitstraumata, insbesondere sexuelle Kindesmisshandlung
  • Längere Trennung von einem oder beiden Elternteilen
  • Das Kind war unerwünscht
  • Verschiedene Indikatoren sozialer Benachteiligung (Sozialhilfeempfänger, niedriges Haushaltseinkommen, alleinerziehender Elternteil, Arbeitslosigkeit der Eltern, Familie wohnt zur Miete und nicht im Eigentum)
  • Elterliche Erkrankungen (mindestens ein Elternteil hat eine Psychose oder ist alkohol- und drogenabhängig)
  • Migrationshintergrund, wobei die zweite Generation der Migranten mindestens genauso häufig, wenn nicht häufiger an Schizophrenie erkrankt. Dies ist ein Indiz dafür, dass es sich bei diesem Faktor nicht um einen Selektionseffekt handelt (in dem Sinne, dass vor allem erblich vorbelastete Individuen auswandern), sondern um das Resultat eines Lebens als Migrant.
  • Stadtbewohner erkranken häufiger an Schizophrenie.
  • Personen, die sich stark von den anderen Personen in ihrem Wohnumfeld unterscheiden, erkranken häufiger.

Jeder dieser Faktoren für sich allein ist auch ein Risikofaktor für andere Erkrankungen. Jedoch fragt sich, was das Gemeinsame aller mit Schizophrenie in Zusammenhang stehenden Risikofaktoren ist. All diesen Faktoren ist gemeinsam, dass die Person in einem Umfeld aufwuchs, das sie sozial isoliert und das Individuum sich als sozialer Verlierer fühlen lässt (Cantor-Graae & Selten, 2005). Sozialer Rückzug und soziale Isolation, sowie geringes Interesse in sozialen Aktivitäten sind die wichtigsten Prädiktoren für die Entwicklung einer Schizophrenie bei einer Person in den nächsten zehn Jahren (Kwapil, 1998). Zudem scheint es zwischen dem Ausmaß an sozialer Isolierung und der Stärke der schizophrenen Symptome eine starke ursächliche Beziehung zu geben.

Welche Funktion hat nun die soziale Isolierung bei den schizophrenen Symptomen?

Halluzinationen

Eines der häufigsten Symptome der Schizophrenie sind die auditiven Halluzinationen. Halluzinationen treten vor allem dann auf, wenn andere, stärkere und angemessene Verstärker nicht verfügbar sind. Der Verlust der sozialen Verstärkung kann Personen dazu bringen, sich vor allem auf ihr Inneres zu konzentrieren. „Irrationales“ Verhalten tritt dann auf, wenn die Alternative gar kein Verhalten wäre (Ferster, 1973, S. 859). Halluzinationen helfen zudem dabei, die Aufmerksamkeit von negativen und ängstlichen Gefühlen abzulenken. Halluzinationen können Verstärkereigenschaften annehmen, einige Patienten entwickeln „integrierte, interpersonal kohärente Beziehungen“ (Benjamin, 1989) mit ihren Stimmen. Zudem können die Stimmen die gleiche Funktion erfüllen wie selbstkritische Gedanken (Gilbert et al., 2001).

Wahn

Ein Wahn entwickelt sich auf die gleiche Weise wie jede andere Überzeugung. Dem Wahn liegen jedoch außergewöhnliche Erfahrungen zugrunde. Dem schizophrenen Individuum mangelt es jedoch am korrektiven sozialen Feedback, das ihm dabei hilft, seine Erfahrungen zu normalisieren. Viele Erfahrungen, die Schizophrene machen, sind in der „Normalbevölkerung“ gar nicht mal so selten: Das Gefühl verfolgt zu werden oder dass man überwacht wird und selbst auditive Halluzinationen sind durchaus verbreitet. Wenn eine Person sozial isoliert ist, kann ihr keiner dabei helfen, diese Erfahrungen zu erklären. In mehrdeutigen Situationen kommt es ebenfalls oft zu Fehlwahrnehmungen. Auch in anderen Situationen entwickeln Menschen Wahn, z. B. bei Demenz: Wenn man sich nicht erklären kann, warum man sich z. B. nicht mehr daran erinnern kann, wo man seine Sachen hingelegt hat, liegt der Schluss nahe, dass sich jemand in der Wohnung zu schaffen macht. Wahnhafte Vorstellungen gibt es auch relativ häufig bei schwerhörigen Menschen; auch diese haben es oft mit nicht eindeutigen Wahrnehmungen zu tun. Paranoia hilft einem, den Selbstwert zu schützen (es war der Einbrecher, nicht die eigene Unfähigkeit, durch die die Lampe kaputt ging), ja sie kann einem zu einem besonderen Selbstwert verhelfen (nur wer sehr wichtig ist, wird von der CIA verfolgt).

Gedankenstörungen

Wenn Sprache – und Gedanken sind aus verhaltensanalytischer Sicht verdeckte Sprache – nicht organisiert ist, dann kam sie nicht unter die Kontrolle der Zuhörer. Wenn ich mit einer anderen Person rede, werde ich nur verstanden, wenn ich organisiert spreche. Fehlt die Zuhörerschaft dauerhaft, wird gesprochen, ohne dass das Gesprochene organisiert werden muss. Schizophrene Menschen haben evtl. nie ausreichend gelernt, auf die sozialen Hinweisreize zu achten, die anzeigen, ob eine Person aufmerksam zuhört oder nicht. Das sprachliche Verhalten des Schizophrenen ist also nicht unter der Kontrolle der Zuhörerschaft, sondern unter der Kontrolle interner Reize. Dazu passt, dass schizophrene schneller als gesunde Individuen Assoziationen zwischen verwandten Begriffen (wie Henne und Ei) herstellen können. Im Gegensatz zu Nicht-Schizophrenen erkennen sie zudem Gemeinsamkeiten zwischen nur indirekt miteinander zusammenhängenden Begriffen (z. B. eine Gemeinsamkeit zwischen „Zitrone“ und „süß“ – das vermittelnde Wort ist „sauer“). Diese Leistung gelingt, weil sie allein auf interne Reize zurückgreifen. Der sogenannte „Beziehungswahn“ der Schizophrenen (die Neigung, zwischen allen mögliche Dingen einen Zusammenhang, eine Beziehung zu sehen), mag daher rühren.

Negative Symptome

Bezeichnend für die Schizophrenie ist auch ein Mangel an Verhalten, z. B. im zielgerichteten Verhalten (Avolition), im emotionalen Ausdruck (Affektflachheit) und in der Sprache (Alogie). All diese Verhaltensweisen können dazu führen, dass man mehr soziale Interaktionen hat. Es ist evolutionär adaptiv, dass man sich möglichst unauffällig verhält, wenn das Risiko besteht, dass man sozial zurückgewiesen wird (Gilbert, 2006).

Negative Symptome treten evtl. dann auf, wenn Versuche, bestimmte Ziele zu erreichen, gescheitert sind. Individuen mit starker Negativsymptomatik sind weniger ängstlich und haben ein höheres Selbstwertgefühl als andere Patienten mit Schizophrenie (Beck et al., 2013). Diese Individuen haben womöglich gelernt, dass die Wertschätzung von anderen Menschen nicht wichtig ist.

Forschungen deuten darauf hin, dass schizophrene Menschen, die äußerlich emotional verflacht wirken, subjektiv genauso starke Emotionen erleben wie andere Menschen (vgl. Kring & Moran, 2008). Wer seine Emotionen zeigt, riskiert die Kritik anderer Menschen. Die äußerliche Verflachung der Emotionen hilft, diese Kritik zu vermeiden.

Interaktion mit den biologischen Faktoren

Es scheint sich aber nur dann eine Schizophrenie zu entwickeln, wenn es eine genetische Prädisposition für diese Erkrankung gibt. Doch muss dies nicht auf eine einfache Weise im Sinne eines „Gens für“ Schizophrenie geschehen. Eine bestimmte genetische Ausstattung kann z. B. dazu führen, dass das betroffene Individuum in eine Umwelt gerät, die es sozial isoliert und herabsetzt. Kinder mit neuromotorischen Störungen oder intellektuellen Defiziten können oft subtile soziale Hinweisreize nicht so gut erkennen. Diese werden dann wiederum häufiger von ihren Altersgenossen zurückgewiesen. Letztlich erweist es sich als unmöglich, die genetischen und Umwelteinflüsse auf die Entwicklung einer Schizophrenie zu trennen. Dies kann auch daran liegen, dass es eine Kontinuität zwischen den Effekten der Kontingenzen in der Umwelt der Vorfahren und der jetzigen Umwelt gibt. Das heißt, wer jetzt sozial isoliert und zurückgewiesen lebt, dessen Vorfahren mussten evtl. auch schon so ein Leben führen. In wie weit das schizophrene Verhalten nun in der Lebenszeit erlernt oder von den Vorfahren ererbt wurde, lässt sich unter diesen Umständen schwer sagen.

Zwei neuere Behandlungsansätze für Schizophrenie erscheinen Rosenfarb erfolgversprechend: Die Akzeptanz- und Commitmenttherapie lehrt den Klienten, seine von ihm gewählten Ziele zu verfolgen (z. B. unabhängig zu leben), statt sich darauf zu konzentrieren, die Symptome los zu werden. Eine randomisierte und kontrollierte Studie (Bach & Hayes, 2002) erbrachte hier erste positive Ergebnisse. Die Funktional-Analytische-Therapie versucht neue Verhaltensweisen in der Therapie zu formen, in der Annahme, dass diese auf den Alltag des Klienten generalisieren.

Sehr erfolgreich war die Tokenökonomie von Paul und Lentz (1977). 97,5 % der Patienten, die an diesem Programm teilnahmen, konnten aus der Klinik entlassen werden, im Vergleich zu 71 %, die eine sogenannte Milieutherapie erhalten hatten und 44,8 % der Kontrollgruppe. 10,7 % der Patienten, die an der Tokenökonomie teilgenommen hatten, konnten dann unabhängig leben, aber kein einziger Patient der Kontrollgruppe, 89,3 % benötigten keine Psychopharmaka mehr, aber 100 % der Kontrollgruppe mussten nach wie vor Medikamente nehmen.

Entscheidend für den Erfolg jeder Maßnahme ist, dass sie aus der Klinik in den Alltag der Patienten übertragen werden kann. Darauf wird in den letzten Jahren verstärkt geachtet.

Literatur

Bach, P. & Hayes, S. C. (2002). The use of acceptance and commitment therapy to prevent rehospitalization of psychotic patients: A randomized controlled trial. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 70, 1129-1139.

Beck, A. T.; Grant, P. M.; Huh, G. A.; Perivoliotis, D. & Chang, N. A. (2013). Dysfunctional attitudes and expectancies in deficit syndrome schizophrenia. Schizophrenia Bulletin, 39, 43-51.

Benjamin, L. S. (1989). Is chronicity a function of the relationship between the person and the auditory hallucination? Schizophrenia Bulletin,15, 291-310.

Cantor-Graae, E. & Selten, J. P. (2005). Schizophrenia and migration: A meta-analysis and review. American Journal of Psychiatry, 162, 12-24.

Ferster, C. B. (1973). A functional analysis of depression. American Psychologist, 28, 857-870.

Gilbert, P. (2006). Evolution and depression: Issues and implications. Psychological Medicine, 36, 287-297.

Gilbert, P.; Birchwood, M.; Gilbert, J.; Trower, P.; Haz, J.; Murraz, B.;… Miles, J. N. V. (2001). An exploration of evolved mental mechanisms for dominant and subordinate behaviour in relation to auditory hallucinations in schizophrenia and critical thoughts in depression. Psychological Medicine, 31, 1117-1127.

Kring, A. M. & Moran, E. K. (2008). Emotional response deficits in schizophrenia: Insights from affective science. Schizophrenia Bulletin, 34, 819-834.

Kwapil, T. R. (1998). Social anhedonia as a predictor of the development of schizophrenia-spectrum disorders. Journal of Abnormal Psychology, 107, 558-565.

McGrath, J. J. (2007). The surprisingly rich contours of schizophrenia epidemiology. Archives of General Psychiatry, 64, 14-16.

Palmer, D. C. & Donahoue, J. W. (1992). Essentialism and selectionism in cognitive science and behavior analysis. American Psychologist, 47, 1344-1358.

Paul, G. L. & Lentz, R. J. (1977). Psychosicial treatment of chronic mental patients: Milieu versus social-learning programs. Cambridge, MA: Harvard University Press.

Rosenfarb, Irwin S. (2013). Functional analysis of schizophrenia. The Psychological Record, 63(4), 929-946.

Advertisements

14 Kommentare

Eingeordnet unter Therapie, Verhaltensanalyse

14 Antworten zu “Schizophrenie – einmal nicht als biologische Störung erklärt

  1. Frage

    Das verbreitete Diathese-Stress-Modell der Schizophrenieentstehung geht davon aus, dass eine Veranlagung mit belastenden Lebensereignissen zusammenkommen muss, damit eine Person an Schizophrenie erkrankt.

    Aber selbst so eine Anlage muss sehr wahrscheinlich durch Lerneffekte verstärkt werden.

    Zudem scheint es zwischen dem Ausmaß an sozialer Isolierung und der Stärke der schizophrenen Symptome eine starke ursächliche Beziehung zu geben.

    Ich habe mal gelesen, vor einer Psychose isolieren siech die Erkrankten oft selbst.Natürlich ist hier die Frage, was Ursache und was Wirkung ist.

    Welche Funktion hat nun die soziale Isolierung bei den schizophrenen Symptomen?

    Als „Autismus“ ist sie ein Kernsymptom. So zumindest die Auffassung, die einem in Lehrbüchern oft noch begegnet.

    Natürlich stellt sich noch die Frage, wie einheitlich die Schizophrenen Symptome wirklich sind. Immerhin gibt es verschiedene Subtypen der Schizophrenie und auch andere Krankheiten, die ähnliche Symptome auslösen könnnen…

    Diese Individuen haben womöglich gelernt, dass die Wertschätzung von anderen Menschen nicht wichtig ist.

    Das klingt irgendwie traurig, wenn man es so ließt.
    Das allein könnte die „Negativsymptome“ schon erklären: Soziale Verstärker spielen im Leben eines Menschen, besonders in Städten und in sozial strengen Gruppen, eine große Rolle. Sie motivieren zu vielen Verhalten, wenn sie wegfallen, bricht auch ein großes Repartor an Verhalten weg. Der Mensch ist ja ein „soziales Wesen“.
    Und die „automatischen Verstärker“ (wie Skinner sie nannte) wie z. B. Imperative an sich selbst gewinnen an Bedeutung.

    Kinder mit neuromotorischen Störungen oder intellektuellen Defiziten können oft subtile soziale Hinweisreize nicht so gut erkennen.

    Welche zum Beispiel?

    • Subtile soziale Hinweisreize können z. B. eine Hochgezogene Augenbraue oder ein Zucken im Mundwinkel sein. Was diese Hinweise bedeuten (je nach Situation Verschiedenes, Ablehnung oder Zustimmung usw.), muss man erst lernen. Wenn man mit der Wahrnehmung Probleme hat oder mit der Verarbeitung dieser Informationen, kann es sein, dass man das nie lernt.

      • Frage

        Das klingt für mich ein wenig nach „Autismus“. Zumindest nach dem, was in den Medien über diese Störung verbreitet wird.

        Wenn also Schizophrenie wirklich durch einen Mangel an sozialen Verstärkern entsteht, wie kann man diese Theorie/diese Aussagen beweisen? Das dürfte sehr schwer sein.

        Danke trotzdem für die Antwort.

  2. Der m. E. wichtige Unterschied ist ja, ob ich „die Schizophrenie“ essentialistisch deute und dann die schizophrenen Symptome als Ausdruck einer zugrundeliegenden Schizopherenie ODER ob ich die Funktionalität einzelner schizophrener Symptome (Verhaltensweisen) betrachte. Beweisen düfte schwer sein, aber man kann sicher zeigen, dass sich bestimmte Symptome bessern, wenn man ihre Funktion erkennt und entsprechend handelt.

  3. Hat dies auf Verhalten usw. rebloggt und kommentierte:

    Weil es grad so in den Themenstrang passt und vielleicht den einen oder andern interessiert…

  4. Es scheinen (fast?) alle geistigen Krankheiten einen adaptiven Wert zu besitzen und auf einem Spektrum angeordnet werden zu können, bei dem es im Wesentlichen um den sozialen Status geht. Siehe: http://www.amazon.de/Evolutionary-Psychiatry-Beginning-John-Price/dp/0415219795/.

    • Wobei m. E. auch der soziale Status (respektive der sozioökonomische Status, denn darum geht es ja) auch nur eine Variable ist, die für die eigentlichen Ursachen steht. Viel Geld oder wenig Geld auf dem Konto haben hat allein keine Auswirkungen auf die Gesundheit. Der sozioökonomische Status korreliert aber mit allen möglichen Variablen, die tatsächlich Einfluss haben können (u. a. Bildung und damit einhergehendem Verhalten). Und auch die Gegenrichtung existiert: Wer von klein auf krank ist, wird seltener reich (Selektionseffekt)…

      • Ja, wo fängt man bei den Ursachen an? Ich würde vermuten, es sieht so aus: Schlechte Genetik –> Schlechte Intelligenz –> Niedrige Produktivität –> Ökonomischer Misserforlg –> Niedriger Status (Beschämung) –> Adaptives Ausweichverhalten („Geisteskrankheiten“). Und eventuell weitere Beschämung durch Diagnosen, was zur Stabilisierung der Situation führen kann. Wenn man die Ursachenkette gut analysiert, liefert das einem entsprechende Ansatzpunkte für die Therapie bzw. Vorbeugung.

      • Naja :-> Da befindest du dich aber in der wenig schmeichelhaften Gesellschaft amerikanischer Konservativer (vgl. „Bell Curve„). Außerdem erscheint mir das doch etwas eindimensional. Menschen sind „von Natur aus“ verschieden: Verschieden stark, verschieden schön usw. Daran kann man wenig ändern. Sie leben aber auch in verschiedensten Umwelten. Daran kann man was ändern. Dieser pragmatische Ansatz leitet die Verhaltensanalyse.

  5. „Bell Curve“: Ich bestreite ja nicht, dass man (via Umwelt) auf den Output Einfluss nehmen kann.

    Wenn wir einmal sagen, dass dieser zu je 50% von den aktuellen Struktureigenschaften und vom Input der Umwelt determiniert ist, bieten sich von beiden Seiten Ansatzpunkte für Therapien oder andere Interventionen.

    Selbst die Genetik einer Bevölkerung lässt sich durch die Vermeidung falscher Anreize mit der Zeit sanft verbessern. Des weiteren kann das ethische Verhalten Einzelner (entweder durch qualifizierte Therapie oder privates Wohlwollen) einen positiven Einfluss ausüben.

    Ich glaube nicht, dass mich das zu einem Konservativen deiner Interpretation macht, die hier wohl fatalistisch sein sollen. Im Gegenteil. Ich bin zuversichtlich, dass Optimismus durch weitere Erkenntnisfortschritte gerechtfertigt ist. Man darf nur nicht die Augen verschließen, etwa weil man nicht mit „Konservativen“ (oder einer anderen unbeliebten Gruppe) in einen Topf geworfen werden will.

    • “Bell Curve”: Ich bestreite ja nicht, dass man (via Umwelt) auf den Output Einfluss nehmen kann.

      Das bestreiten Herrnstein et al. auch nicht.

      Wenn wir einmal sagen, dass dieser zu je 50% von den aktuellen Struktureigenschaften und vom Input der Umwelt determiniert ist

      Die Erblichkeitsforscher kommen zu ganz anderen Ergebnissen (ich glaube, über 80 % „Erblichkeit“). Dieser Ansatz und diese Angaben sind aber pseudowissenchaftlich, wie ich hier schon mal beschrieben habe.

      Selbst die Genetik einer Bevölkerung lässt sich durch die Vermeidung falscher Anreize mit der Zeit sanft verbessern.

      Ich hoffe, du meinst damit nicht das, was ich da rauslese (Eugenik).

      Man darf nur nicht die Augen verschließen, etwa weil man nicht mit “Konservativen” (oder einer anderen unbeliebten Gruppe) in einen Topf geworfen werden will.

      Es geht sowohl um den Unterschied zwischen Pseudowissenschaft (Bell Curve, Erblichkeitsangaben) und echter Wissenschaft als auch um die „humanistische Grundhaltung“. Tatsachen, die einem aus politisch-weltanschaulichen Gründen unangenehm sind, bleiben Tatsache. Aber nur, wenn sie auch Tatsachen sind.

      • (1) Hast du mal eine Dokumentation über in verschiedenen Umwelten aufgewachsene eineiige Zwillinge gesehen? — Wenn deines Erachtens die Erblichkeit (hier: von Intelligenz) nicht 80% beträgt, wieviel Prozent vermutest du dann? Wäre es nicht vielmehr pseudowissenschaftlich zu behaupten, sie läge bei null?

        (2) Heutzutage wird ein einseitiges und damit falsches Bild der Eugenik verbreitet, das auf die Gräueltaten der Nazis zurückzuführen ist. Maßnahmen zur Eugenik können auf freiwilliger Basis erfolgen und sind keineswegs inhärent mit Gewalt und Zwang verbunden.

        (3) Es ist nicht humanistisch, dem Menschen abzuverlangen, was er nicht vermag. Das erzeugt nur weiteres Frustrationspotenzial.

      • Hast du mal eine Dokumentation über in verschiedenen Umwelten aufgewachsene eineiige Zwillinge gesehen?

        Ja, ich habe mal eine gesehen, da wurde gezeigt, dass sich zwei Zwillingsbrüder, die getrennt aufwuchsen, unabhängig voneinander jeder eine Bank rundherum um einen Baum in ihrem Garten gebaut hatten. Beeindruckend. Wie viele Leute das in der Gegend noch machen, wurde nicht berichtet.

        Wenn deines Erachtens die Erblichkeit (hier: von Intelligenz) nicht 80% beträgt, wieviel Prozent vermutest du dann?

        Lies bitte erst mal den Artikel, den ich in meiner letzten Antwort verlinkt habe. Vielleicht erspart mir das die Antwort.

        Heutzutage wird ein einseitiges und damit falsches Bild der Eugenik verbreitet

        Ich will und werde das hier nicht vertiefen, aber m. W. ist Eugenik auch aus evolutionsbiologischer Sicht keine sinnvolle Maßnahme. Vielleicht liest das ein Biologe und kann dazu was sagen.

        Es ist nicht humanistisch, dem Menschen abzuverlangen, was er nicht vermag. Das erzeugt nur weiteres Frustrationspotenzial.

        Das ist wahr. Und wir müssen uns hier nicht streiten.

      • (1) Die „verschiedenen“ Umwelten waren d.E. also eine Lüge des Dokumentationsfilms? — Ich gehe davon aus, dass die Wahrheit gesagt wurde.

        (2) Ich habe deinen Artikel gelesen, den ich offen gesagt nicht ganz nachvollziehen konnte, außer, dass Erblichkeit als Faktor (mit 80%) überbewertet wird. Der Artikel beantwortet aber nicht die Frage, zu wie viel Prozent denn nun die Erblichkeit von Intelligenz (und Temperament) ausmacht. Ich bitte um eine Klarstellung.

        (3) Durch die bewusste Wahl der Partner kann viel bewirkt werden, und in der Praxis läuft das auch bereits so ab. Das ist grundlegende Evolutionspsychologie.

        (4) Ich bin auf Klärung und nicht auf „Streit“ aus. Obwohl ich um einen zivilisierten Dialog bemüht bin, stelle ich in der Regel nicht die Beziehung über die Sache (wie es generell die Art von Frauen zu sein scheint). Wenn ich irgendwo Grenzen überschreite, bitte ich um einen Hinweis, um wieder sachlich werden zu können. Mein Anliegen ist ethischer Absicht und durchaus humanistisch. Ich warne jedoch vor der Ansicht, die Wahrheit aus kurzsichtigen ethischen Überlegungen zu verbiegen. Das selbst ist nämlich auf einer bestimmten Ebene nicht ethisch.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s