Verdammt noch mal, lass das Fluchen!

Wer als Kind oft fürs Fluchen bestraft wurde, ist als Erwachsener aufgeregter als andere, wenn er flucht.

Man kann nicht einfach sagen, was man will. Bestimmte Wörter sind zwar gebräuchlich, aber gesellschaftlich nicht akzeptiert, u. a. Schimpfwörter und Flüche. Schon länger ist bekannt, dass Menschen, die in Experimenten sogenannte Tabu-Wörter vorlesen müssen, eine stärkere Reaktion bei der Messung ihres Hautwiderstands zeigen als Menschen, die neutrale Wörter vorlesen. Der Hautwiderstand ist ein Indikator für die allgemeine physiologische Erregung. Warum aber versetzt uns das Aussprechen von Schimpfwörtern in Aufregung? – Die verhaltensanalytische Erklärung lautet, dass es sich um ein Resultat unserer Lerngeschichte handelt. Wir sind in unsere Vergangenheit öfters für das Aussprechen dieser Wörter bestraft worden. Bestrafung führt zu emotionaler Erregung, diese wiederum überträgt sich auf die Handlungen, für die wir bestraft werden: Wir sind aufgeregt, wenn wir etwas Verbotenes tun. Fluchen und Schimpfworte sagen, ist etwas (mehr oder weniger) Verbotenes, also sind wir dabei auch (mehr oder weniger) aufgeregt. Ein Hinweis, dass die Vermutung, die Lerngeschichte sei dafür verantwortlich, richtig ist, ergibt sich aus einer Studie von Harris et al. (2003). Diese hatten herausgefunden, dass mehrsprachige Versuchspersonen erregter waren, wenn sie Flüche in ihrer Muttersprache vorlasen als wenn sie Flüche in der Zweitsprache vorlasen. Die Muttersprache wurde in der Kindheit, die Zweitsprache erst im Erwachsenenalter erlernt.

Eine erste direkte Bestätigung dieser Vermutung gelang nun Tomash und Reed (2013). Diese ließen 26 Versuchspersonen jeweils zehn Schimpfwörter (z. B. „fuck“, „asshole“, „cocksucker“), zehn emotional gefärbte Wörter, die aber keine Schimpfwörter sind (z. B. „hate“, „death“, „suicide“) und zehn neutrale Wörter (z. B. „light“, „window“, „animal“) vorlesen. Währenddessen wurde der Hautwiderstand der Versuchsperson abgeleitet. Zusätzlich erfragten die Forscher u. a., wie oft die Versuchsperson täglich fluchte und wie häufig sie als Kind für das Fluchen bestraft worden war.

Die Versuchspersonen waren allgemein physiologisch erregter, wenn sie die Schimpfworte vorlasen. Sie waren kaum erregt, wenn sie die neutralen Wörter vorlasen und mäßig erregt, wenn sie die emotionalen Wörter vorlasen. Die Unterschiede waren jeweils signifikant. Zudem waren diejenigen Versuchspersonen, die angaben, als Kinder häufiger fürs Fluchen bestraft worden zu sein, erregter als die Versuchspersonen, die von ihren Eltern selten bestraft wurden. Die Forscher hatten außerdem vermutet, dass Menschen, die häufig fluchen, dabei weniger erregt sind. Dies war jedoch nicht der Fall.

Literatur

Harris, Catherine; Aycicegi, Ayse & Gleason, Jean Berko. (2003). Taboo words and reprimands elicit greater autonomic reactivity in a first than a second language. Applied Psycholinguistics, 24(4), 561-579.

Tomash, J. J. & Reed, Phil. (2013). The relationship between punishment history and skin conductance elicited during swearing. The Analysis of Verbal Behavior, 29, 109-115. PDF 362 KB

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Eingeordnet unter Sprache, Verhaltensanalyse

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