Rasenpflege und Kriminalität

Infolge der Wirtschaftskrise verkommen einige Innenstädte in den USA. Viele leerstehende Gebäude und Grundstücke ziehen Kriminelle an. Die gezielte Begrünung und Pflege der verwahrlosten Grundstücke wird als geeignetes Mittel zur Verbesserung der Sicherheit in den betroffenen Vierteln betrachtet. Doch die Ergebnisse von Studien, die das belegen sollen, sind wenig überzeugend. Wenn, dann ist es wohl vor allem die gefühlte Sicherheit der Anwohner, die sich verbessert.

In Philadelphia gibt es 40.000 herrenlose Grundstücke. In anderen Städten sind in Folge der Wirtschaftskrise bis zu 40 % der Flächen unbebaut oder die Gebäude leerstehend. Meist sind diese Grundstücke ungepflegt und oft mit Müll übersäht. Viele von diesen Grundstücken werden von Obdachlosen, Drogenhändlern und Prostituierten genutzt, um Waffen oder Drogen zu verstecken oder um sich vor der Polizei in Sicherheit zu bringen. Nicht nur in der Wahrnehmung der Anwohner, sondern auch in der Polizeistatistik gelten diese verwahrlosten Grundstücke und aufgegebenen Häuser als Brutstätten des Verbrechens. Branas et al. (2011) konnte in einer Studie einen signifikanten Rückgang der Vergehen mit Schusswaffenbeteiligung im Umfeld solcher Grundstücke feststellen, nachdem diese begrünt und gepflegt worden waren. Eine Ursache für diese Verbesserung der Sicherheit mag darin liegen, dass sich die hergerichteten Grundstücke nun nicht mehr dazu eigneten, Waffen zu verstecken.

Garvin et al. (2013) untersuchten, wie sich die Begrünung einer Gruppe von 50 Grundstücken in Philadelphia auf die Sicherheit in diesem Viertel auswirkte. Sie verglichen die Auswirkungen mit einer anderen Gruppe von 50 Grundstücken, auf denen keine Maßnahmen stattfanden.

Die Grundstücke wurden aufgeräumt, der Grund eingeebnet, Gras und Bäume wurden gepflanzt, um das Grundstück wurde ein einfacher Holzlattenzaun errichtet und es wurde alle zwei Wochen gepflegt, d. h. Müll entfernt und bei Bedarf der Rasen gemäht. Diese Maßnahme fand im Mai 2011 statt. Garvin et al. (2013) erfassten die Kriminalitätsstatistik der 3,5 Monate vor der Maßnahme und 3,5 Monate nach der Maßnahme. Zudem befragten sie 14 Anwohner vor dem Beginn und 10 Anwohner nach dem Ende des Untersuchungszeitraums zu deren Wahrnehmung ihrer Nachbarschaft und bildeten aus diesen 15 Fragen einen Unordnungs-Index. Diese Daten wurden auch für das Viertel erfasst, in dem keine Maßnahmen stattfanden, auch hier wurden die Statistiken verglichen und die Anwohner befragt (15 am Anfang und 11 am Ende der Untersuchung).

Im Viertel, in dem die begrünten Grundstücke lagen, gab es in den 3,5 Monaten vor Beginn der Maßnahmen 209 Straftaten. Als Straftaten zählten u. a. Körperverletzungen, Raubüberfälle, Drogenhandel und –besitz, Diebstähle, Vandalismus, ungehöriges Betragen und öffentliche Trunkenheit, sowie illegale Müllentsorgung. In den 3,5 Monaten nach der Maßnahme kam es zu 266 Straftaten. Ein Anstieg der Kriminalität konnte auch in dem Viertel, in dem keine Maßnahmen zur Begrünung stattfanden, beobachtet werden. Hier stieg die Zahl der Straftaten von 460 auf 521. Aufschlussreicher ist die differenzierte Betrachtung nach der Art der Straftaten. Die Zahl der schwere Körperverletzungen, Diebstähle und Fälle ungehörigen Betragens nahm in der Nähe der begrünten Grundstücke stärker ab als im Viertel, in dem keine Maßnahmen stattfanden. Dagegen nahm die Zahl der Raubüberfälle, von Vandalismus, des Drogenhandels und –besitzes sowie der Einbrüche um die begrünten Grundstücke herum zu. Der Unterschied in der Zahl der Straftaten zwischen den beiden Vierteln war jedoch nicht signifikant.

Die Wahrnehmung der Anwohner änderte sich infolge der Maßnahmen. Der Unordnungs-Index sank in der Nähe der begrünten Grundstücke von durchschnittlich 41,8 auf 35,9, in der Nähe der unbehandelten Grundstücke sank er nur leicht von 42,1 auf 39,1. Auch dieser Unterschied war nicht signifikant, jedoch war der Unterschied in der Veränderung eines Teilaspekts dieses Index‘ signifikant. Tatsächlich schienen sich die Anwohner wohl etwas sicherer zu fühlen, nach dem die Grundstücke begrünt worden waren.

Literatur

Branas, Charles C.; Cheney, Rose A.; MacDonald, John M.; Tam, Vicky W.; Jackson, Tara D. & Ten Have, Thomas R. (2011). A difference-in-differences analysis of health, safety, and greening vacant urban space. American Journal of Epidemiology, 174(11), 1296-1306. PDF 430 KB

Garvin, Eugenia C.; Cannuscio, Carolyn & Banas, Charles C. (2013). Greening vacant lots to reduce violent crime: A randomised controlled trial. Injury prevention, 19(3), 198-203. PDF 261 KB

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