Das Gefangenendilemma: Kooperation kann man lernen, aber es hält nicht lange vor

Wenn man jemandem die Möglichkeit gibt, sich zu einem kooperativen Verhalten zu verpflichten, verhält er sich auch nach dem Ende der Verpflichtung kooperativ. Aber das hält nicht lange vor.

Das Gefangenendilemma (Rapoport & Chammah, 1965) lässt sich kurz so beschreiben: Angenommen, Sie haben zusammen mit Ihrem Komplizen eine Bank überfallen. Die Polizei verdächtigt sie beide und befragt sie unabhängig voneinander. Man macht Ihnen folgendes Angebot: Wenn Sie den Bankraub zugeben, Ihr Komplize aber nicht, bekommen Sie eine Bewährungsstrafe, Ihr Komplize wandert für fünf Jahre hinter Gitter. Sie wissen aber auch: Wenn Ihr Komplize gesteht, Sie aber nicht, gilt umgekehrt, dass Sie für fünf Jahre in den Knast wandern und Ihr Komplize mit der Bewährungsstrafe davon kommt. Wenn Sie beide gestehen, bekommen Sie beide drei Jahre Gefängnis. Wenn Sie aber beide dicht halten, wird man Sie beide „nur“ wegen unerlaubten Waffenbesitzes drankriegen können und für ein Jahr inhaftieren.

Interessant wird das Gefangenendilemma, wenn es mehrfach hintereinander gespielt wird. Langfristig zahlt sich Kooperation aus, könnte man meinen. Die meisten Menschen verfolgen aber eine Strategie des „Wie du mir, so ich dir“ (tit for tat). Das heißt, die Entscheidung Ihres Komplizen beim letzten Mal bestimmt Ihre Entscheidung jetzt. Spielt die Versuchsperson gegen ein Computerprogramm, kann dieses so programmiert werden, dass es immer nach diesem Prinzip entscheidet. Das Gefangenendilemma gibt es in vielen Variationen. Immer geht es um folgendes Prinzip: Die Versuchsperson muss zwischen einem kurzfristigen hohen Gewinn und einer Strategie entscheiden, die für beide langfristig zum größeren Gewinn führt. Das Gefangenendilemma gleicht in dieser Hinsicht der Forschung zur Verstärkerabwertung.

Locey und Rachlin (2012) ließen Ihre Versuchspersonen gegen einen Computer antreten, der konsequent die „Tit-for-Tat-Strategie“ befolgte. Sie konnten sich bei jedem Versuch für die Kooperation oder für das unkooperative Verhalten entscheiden. Zudem konnte sich eine Versuchspersonengruppe  entscheiden, ob sie sich für die nächsten fünf Durchgänge des Spiels festlegen wollten zu kooperierten. Eine andere Gruppe der Versuchspersonen konnte sich entscheiden, ob sie sich für fünf Durchgänge hintereinander auf unkooperatives Verhalten festlegen wollte. Dabei zeigte sich, dass die Gruppe, die sich für das kooperative Verhalten festlegen konnte, auch in der freien Wahl häufiger kooperierte. Die andere Gruppe, die sich auf ein nicht-kooperatives Verhalten festlegen konnte, zeigte auch dieses Verhalten häufiger. Spielten die Versuchspersonen jedoch wieder längere Zeit ohne die Möglichkeit zur Festlegung, ging dieser Unterschied wieder verloren. Das heißt, eine selbstauferlegte Verpflichtung zu kooperieren lässt einen zwar einen Weile lang tatsächlich häufiger kooperieren. Wird diese Möglichkeit zur Selbstverpflichtung wieder weggenommen, fallen die Versuchspersonen aber in ihr altes Verhaltensmuster zurück.

Literatur

Locey, Matthew L. & Rachlin, Howard. (2012). Commitment and self-control in a prisoners’s dilemma game. Journal of the Experimental Analysis of Behavior, 98(1), 89-103. PDF 607 KB

Rapoport, A., & Chammah, A.M. (1965). Prisoner’s dilemma. Ann Arbor: University of Michigan Press.

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Eingeordnet unter Verhaltensanalyse, Verstärkung

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