Alles sehr strange…

Einige Opfer von Verbrechen und Naturkatastrophen leiden an einer sogenannten posttraumatischen Belastungsstörung. Unter anderem klagen sie oft darüber, dass ihr Gefühl dafür, dass sie selbst und die Welt noch in Ordnung ist, gestört ist. Alles fühlt sich fremd an. Ein Experiment zeigt, wie man dieses Gefühl behandeln könnte.

Depersonalisation ist der Verlust oder eine Störung des „natürlichen“ Gefühls, eine Person zu sein. Derealisation ist eine verfremdete Wahrnehmung der Welt, ein Gefühl, dass etwas mit der Realität nicht in Ordnung ist. Beide Symptome können sich im Anschluss an ein traumatisches Erlebnis einstellen. Ein Ansatz zur Behandlung von solchen Symptomen ist die wiederholte Exposition. Wenn man diese Symptome mehrfach in einem nicht-bedrohlichen Zusammenhang erlebt, so die Theorie, verlieren sie sich, ähnlich, wie auch die Angst zurückgeht, wenn man mehrfach mit dem angstauslösenden Objekt konfrontiert wird und dabei feststellt, dass nichts Schlimmes passiert.

Wie aber erzeugt man eine wiederholte Exposition bei den beiden Erfahrungen „Depersonalisation“ und „Derealisation“? Man kann die Person ja schlecht einem traumatisierenden Ereignis aussetzen. Hierbei haben sich einige Techniken als wirksam erwiesen (bitte nicht nachmachen):

  • Lange auf einen Punkt an der Wand starren.
  • In einen Spiegel starren.
  • In ein Licht blicken.
  • Hyperventilation alleine.
  • Hyperventilation zusammen mit dem Starren auf eine sich drehende Spirale.
  • In einem dunklen Raum vor einem Stroboskoplicht stehen.

Weiner und McKay (2013) wählten 39 Versuchspersonen aufgrund ihrer erhöhten Werte in zwei Fragebögen zur Ängstlichkeit und zur Traumatisierung aus einer Stichprobe von 152 Studenten aus. Diese Versuchspersonen wurden mehrfach drei Minuten lang einem Stroboskoplicht ausgesetzt. Dabei trugen sie eine 3-D-Brille. Nach jedem Durchgang füllten sie einen kurzen Fragebogen zum Derealisationserleben und zur Depersonalisation aus. Diese insgesamt 20 Minuten dauernde Prozedur wurde dreimal wiederholt. Es zeigte sich, dass die anfangs erhöhten Werte in den genannten Symptomen mit jedem Durchgang zurückgingen. Nach dem ersten Durchgang betrug der Wert für die Depersonalisation und Derealisation noch knapp 29, nach dem dritten Durchgang war er auf knapp 18 gefallen.

Die Autoren betonen, dass diese Studie keine Rückschlüsse auf den klinischen Einsatz zulässt. Sie konnten jedoch zeigen, dass sich eine einfache Methode dazu eignete, Gefühle der Derealisation und der Depersonalisation hervorzurufen und dass diese Gefühle bei wiederholter Durchführung dieser Methode, deutlich nachließen.

Literatur

Weiner, Elliot & McKay, Dean. (2013). A preliminary evaluation of repeated exposure for depersonalization and derealization. Behavior
Modification, 37
(2), 226-242.

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Eingeordnet unter Psychologie, Therapie, Verhaltensanalyse

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