Verhaltensanalyse in der Neurorehabilitation

Constraint-Induced-Movement-Therapie : Die eingeschränkte Bewegungsfähigkeit nach einem Schlaganfall lässt sich durch eine verhaltensanalytisch fundierte Rehabilitationsmethode wieder herstellen.

Die Constraint-Induced-Movement-Therapie basiert auf der Annahme, dass einseitige Bewegungseinschränkungen aufgrund eines Schlaganfalls oder einer anderen Verletzung oder Erkrankung auch das Resultat eines gelernten Nicht-Gebrauchs sind. Die betroffene Person kann bspw. den gelähmten Arm nicht so gut benutzen wie den nicht-gelähmten und nutzt daher fast ausschließlich den nicht-gelähmten Arm. Sie verlernt so nach und nach, den „gelähmten“ Arm zu benutzen. Diese Einschränkung der betroffenen Extremität ist größer als aufgrund des Schadens im Zentralnervensystem zu erwarten wäre. Der Ansatz der Constraint-Induced-Movement-Therapie besteht nun darin, den Patienten dazu zu bringen, das betroffene Körperteil zu nutzen, indem das nicht-betroffene Körperteil daran gehindert wird „mitzuhelfen“, z. B. indem es fixiert wird. Dieses Verfahren erwies sich bereits im Tierversuch als ausgesprochen wirksam (vgl. auch MPI für biologische Kybernetik, 2013; insbesondere bezüglich der unredlichen Reaktion der „Tierschutz“-Organisation „PETA“).

Über 300 Studien aus mittlerweile 25 Jahren, darunter solche von hoher methodischer Qualität (randomisierte und kontrollierte Studien, sog. RCT, z. B. Wolf et al., 2006) konnten die Wirksamkeit der Constraint-Induced-Movement-Therapie eindrucksvoll belegen. Auch Jahre nach der Schädigung sind so noch Verbesserungen möglich (im Schnitt 4,4, Jahre bei Taub et al., 1994).

Edward Taub (2012), der Begründer der Constraint-Induced-Movement-Therapie, legt in einem Artikel für die Zeitschrift The Behavior Analyst die verhaltensanalytischen Ursprünge dieser Therapie dar. Neben der Bewegungseinschränkung des nicht-betroffenen Körperteils spielte von Anfang an die Verhaltensformung (Shaping) beim betroffenen Körperteil eine große Rolle. Dabei werden die Prinzipien verhaltensanalytischen Trainings beachtet, so der Fortschritt in kleinen Schritten, der ausschließliche Einsatz von positiver Verstärkung u. v. m. Mittlerweile wird die physische Bewegungseinschränkung des nicht-betroffenen Körperteils in der Regel durch einen Verhaltensvertrag zwischen Therapeut und Patient ersetzt. Der Patient wird nicht mehr durch einen Verband o. ä. daran gehindert, das nicht-betroffene Körperteil zu nutzen, sondern durch „sein Wort“. Neben den Bewegungseinschränkungen können mit dieser verhaltensanalytisch fundierten Therapie auch zahlreiche andere Ausfälle erfolgreich behandelt werden, darunter auch sprachliche (Aphasien) und Phantomschmerzen.

Taub (2012) berichtet, dass er trotz der überwältigenden Evidenz für den Erfolg der Constraint-Induced-Movement-Therapie immer wieder auf Ablehnung trifft. Ein Arzt sprach ihn z. B. im Anschluss an einen Vortrag an und äußerte, dass es nicht sein könne, dass ein verhaltensorientierte Maßnahme eine neurologische Schädigung heilen könne. Die Plastizität des Gehirns aber macht dies möglich.

Literatur

MPI für biologische Kybernetik. (2013). Constraint-Induced Movement Therapy. Internetressource, Abruf am 26.4.2013.

Taub, Edward. (2012). The behavior-analytic origins of constraint-induced movement therapy: An example of behavioral neurorehabilitation. The Behavior Analyst, 35(2), 155-178. PDF 653 KB

Taub, Edward; Cargo, Jean E.; Burgio, L.ouis D.; Groomes, Thomas E.; Cook, Edwin W. III; DeLuca, Stephanie C. & Miller, Neal E. (1994). An operant approach to rehabilitation medicine: Overcoming learnd nonuse by shaping. Journal of the Experimental Analysis of Behavior, 61(2), 281-293. PDF 1,94 MB

Wolf, Steven L.; Winstein, Carolee J.; Miller J. Philip; Taub, Edward; Uswatte, Gitendra; Morris, David; Giuliani, Carol; Light, Kathye E. & Nichols-Larsen, Deborah. (2006). Effect of constraint-induced movement therapy on upper extremity function 3-9 months after stroke: The EXCITE randomized clinical trial. Journal of the American Medical Association, 296(17), 1095-2104.

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