Riesenhamsterratten 2

Eine RiesenhamsterratteRiesenhamsterratten können auch im Labor hilfreich sein. Nicht als Versuchstier, sondern als Experten bei der Identifizierung von Tuberkeln.

Für Tuberkulose gibt es noch immer keinen billigen, schnellen und  ausreichend genauen Test. Da Tuberkulose vor allem in Entwicklungsländern auftritt, muss ein Test zudem auch leicht anzuwenden sein und nur wenig Laborequipment erfordern.

Ein guter Test teilt die Population in zwei Klassen, solche die die Krankheit haben und solche, die sich nicht haben. Als Sensitivität bezeichnet man die Fähigkeit eines Tests, das Vorhandensein einer Krankheit festzustellen. Als Spezifität bezeichnet man die Fähigkeit des Tests, nur dann das Vorhandensein der Krankheit anzuzeigen, wenn diese auch tatsächlich besteht. Als Treffer gilt es, wenn der Test die Krankheit anzeigt und sie ist wirklich vorhanden. Als falscher Alarm bezeichnet man das Anzeigen der Krankheit, wenn diese tatsächlich nicht vorhanden ist. Eine korrekte Ablehnung ist es, wenn das Nicht-Vorhandensein der Krankheit angezeigt wird und die Krankheit ist vorhanden. Ein Auslassungsfehler ist es, wenn angezeigt wird, dass die Krankheit nicht vorhanden ist, während sie tatsächlich gegeben ist. Die Sensitivität berechnet man, indem man die Zahl der Treffer durch die Zahl der Treffer plus der Auslassungsfehler teilt. Die Spezifität errechnet man aus der Zahl der korrekten Ablehnungen geteilt durch die Summe der korrekten Ablehnungen und der falschen Alarme.

Alan Poling et al. (2011) trainierten Riesenhamsterratten darin, mittels ihres Geruchssinnes festzustellen, ob ein Abstrich Tuberkel enthält oder nicht. Die Ratten sollten an den Proben schnüffeln. Wenn der Tuberkel vorhanden ist, sollten sie dies durch eine Pause von fünf Sekunden anzeigen. Das Verhalten der Ratten wurde im Training immer dann mit Futter verstärkt, wenn sie einen Treffer oder eine korrekte Auslassung anzeigten. Im Anschluss an das Training prüften die Forscher in einem Behandlungszentrum für Erkrankungen der Atemwege in Daresalam die Praxistauglichkeit der Ratten. Die Versuche waren verblindet, d. h. die Versuchsleiter wussten nicht, welche Proben positiv waren und welche nicht. In einem ersten Versuch erreichten die beiden Ratten eine Sensitivität von 73 % – das ist deutlich mehr als der übliche Test am Mikroskop. Tests mit insgesamt 16 Ratten erbrachten eine Sensitivität von 87,9 % und eine Spezifität von 93,3 %. Bei 1838 Patienten des Behandlungszentrums zeigte der übliche Test Tuberkulose an, dagegen konnten die Ratten 2415 Tuberkulosepatienten entdecken.

Literatur

Poling, Alan; Weetjens, Bert; Cox, Christophe; Beyene, Negussie; Durgin, Amy & Mahoney, Amanda. (2011). Tuberculosis detection by Giant African Pouched Rats. The Behavior Analyst, 34(1), 47-54. PDF 112 KB

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Tiere, Verhaltensanalyse

Eine Antwort zu “Riesenhamsterratten 2

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