Autofahrer und Fußgänger kommunizieren am besten mit Handzeichen

FußgängerüberwegWer sicher die Straße überqueren will, zeigt das den Autofahrern am besten mit einem Handzeichen an. So ist die Chance, dass der Autofahrer auch anhält, am größten.

In den USA kamen 2008 4.378 Fußgänger im Straßenverkehr ums Leben, 69.000 wurden verletzt (U.S. Department of Transportation, 2008). Viele Unfälle geschehen, weil Autofahrer nicht erkennen, dass der Fußgänger die Straße auf einem Übergang überqueren will.

Fußgängerüberwege sind in der Regel durch Schilder und „Zebrastreifen“ als solche gekennzeichnet. Es gibt aber kein verbindliches Zeichen, durch das der Fußgänger anzeigen kann, dass er den Übergang benutzen will. Steht ein Fußgänger in der Nähe des Übergangs, ist der Autofahrer im Zweifel, ob der Fußgänger queren will oder nicht. Ein Hand- oder Armzeichen könnte ein einfaches, aber effektives Mittel sein, um viele Unfälle zu vermeiden. Brian Crowley-Koch und Ron Van Houten (2011) testen die Wirkung eines Hand- und eines Armzeichens auf das Verhalten der Autofahrer, am Übergang anzuhalten. An sechs Übergängen in der Stadt Chicago und vier in kleineren Gemeinden im westlichen Michigan stellte sich ein Gehilfe des Versuchsleiters an den Bordstein und zeigte auf unterschiedliche Weise seinen Wunsch, die Straße zu überqueren, an. In jedem Fall hatte der Fußgänger einen Fuß auf der Straße und nahm Blickkontakt zum Autofahrer auf. In der Basisratenbedingung tat der Fußgänger nichts weiter. In einer Versuchsbedingung streckte er zudem den Arm im 90°-Winkel aus. In einer anderen Bedingung hielt er die Hand in etwa auf Brusthöhe, wobei die Handfläche dem Autofahrer zugewandt war. Diese Bedingungen (Basisrate, Armzeichen, Handzeichen) wurden mehrfach wiederholt, die Beobachtungen an den insgesamt zehn Übergängen fanden zu verschiedenen Tages- und Nachtzeiten statt.

Während der Basisratenbedingung hielten nur 1,9 % bis 26,1 % der Autofahrer an den verschiedenen Übergängen an. Wenn der Fußgänger den Arm ausstreckte, betrug dieser Anteil je nach Übergang zwischen 9 % und 63,6 %. Am wirksamsten war das Handzeichen. Am „schlechtesten“ Übergang hielten hier immerhin 18,5 % der Autofahrer an, am „besten“ betrug dieser Anteil 76 %. Die Tageszeit hatte keinen Einfluss auf die Bereitschaft der Autofahrer anzuhalten. Die Autoren vermuten, dass das Handzeichen vielleicht auch deshalb am wirksamsten war, weil es dem deutlicher ausgeprägten Handzeichen ähnelt, das Polizisten bei der Verkehrsregelung verwenden.

Sie empfehlen Fußgängern, die die Straße sicher überqueren wollen, ein Handzeichen zu geben. Hält der Autofahrer an, kann man ihm mit der erhobenen Hand zugleich auch ein „Danke“ signalisieren, sodass man zum „Prompt“ (dem Hinweisreiz, welches Verhalten des Autofahrers erwünscht ist) auch noch die Konsequenz oder den positiven Verstärker gibt (in der Hoffnung, dass der Autofahrer in seiner fußgängerfreundlichen Haltung bestärkt wird).

Literatur

Crowley-Koch, Brian J. & Van Houten, Ron. (2011). Effects of pedestrian prompts on motorists yielding at crosswalks. Journal of Applied Behavior Analysis, 44(1), 121-126. PDF 144 KB

U.S. Department of Transportation. (2008). Traffic safety facts, 2005 (DOT HS 811 163; NTIS No. PB2006-107224). Washington, DC: Author.

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