Albert und Peter

Beim Bericht über die „Wahrheit über den kleinen Albert“ erwähnte ich, dass das Experiment von Watson und Rayner (1920) trotz seiner vielen Fehler zu den späteren Erfolgen der Verhaltenstherapie beitrug. Die wichtigsten Anwendungen der Verhaltenswissenschaften basieren auf dem operanten Konditionieren. Aber auch die Forschung zur klassischen  Konditionierung, die unter anderem Pawlow und Watson betrieben,  war der Ausgangspunkt für therapeutische Anwendungen.

Die Vorgänge beim klassischen Konditionieren spielen eine große Rolle in der Therapie von Phobien. Watson und Rayner (1920) induzierten mittels der klassischen Konditionierung eine phobische Reaktion auf Ratten bei einem 11 Monate alten Jungen („Albert“), indem sie jedes Mal, wenn sich eine Ratte in der Nähe befand, durch ein lautes Geräusch eine Schreckreaktion bei Albert auslösten. Binnen kurzen zeigte Albert, der zuvor mit den Ratten gespielt hatte, alle Anzeichen der Angst, sobald sich eine Ratte zeigte.

Mary Cover Jones (1924a; 1924b) wiederum konnte durch Techniken auf der Grundlage des klassischen Konditionierens die Angst vor Kaninchen bei einem dreijährigen Jungen („Peter“) therapieren. Jedes Mal, wenn sich ein Kaninchen in Peters Sichtfeld befand, erhielt das Kind Kekse und Milch. Nach und nach wurde der Abstand zwischen Peter und dem Kaninchen verkleinert, sodass das Kind zuletzt dasaß, Kekse aß, Milch trank und dabei das Kaninchen streichelte. Man bezeichnet diese Form der Therapie von Phobien als Gegenkonditionierung.

Literatur

Jones, M. C. (1924a). The elemination of children’s fears. Journal of Experimental Psychology, 7, 382-390.

Jones, M. C. (1924b). A laboratory study of fear: The case of Peter. Pedagogical seminary, 31, 308-315.

Watson, J. B. & Rayner, R. (1920). Conditioned emotional reactions. Journal of Experimental Psychology, 3, 1-4.

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Eingeordnet unter Geschichte, Psychologie

2 Antworten zu “Albert und Peter

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